Sommer-Festivals 2026: Interviews mit Veranstaltern

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Wacken 2025 – Veranstalter-Interview mit Thomas Jensen

METAL HAMMER: Thomas, Wacken war 2026 erneut ausverkauft – wenn auch erst kurz vor dem Festival …

Thomas Jensen: Natürlich ist es mega, schnell ausverkauft vermelden zu können. Aber man muss sich ansehen, wann wir die Masse der Tickets verkauft haben – und das war wie jedes Jahr innerhalb von 24 Stunden. „Ausverkauft“ ist die Kirsche auf der Torte, die wir auch brauchen, keine Frage. Aber es hat auch früher, zum Beispiel 2018, mal länger gedauert.

MH: Ist das ein Problem für euch?

TJ: Nein! Dazu muss man kein Finanzexperte sein: Selbst wenn die letzten 10.000 Tickets länger dauern, macht das im großen Gesamtbild keinen Unterschied. Das haben wir erklärt – aber es gibt immer Besserwisser, die einem nichts glauben möchten. Bullshit! Wir sind nach wie vor dankbar für diesen Vertrauensvorschuss. Denn ich weiß: Die kleinen Festivals, die keine sicheren Vorverkäufe haben, gehen in ein absolutes Risiko; in der Veranstaltungs-Branche gibt es nichts Gefährlicheres als ein Open Air.

Zu viele Faktoren, die man nicht beeinflussen kann – allen voran das Wetter. Und natürlich machen wir uns Gedanken, warum die letzten fünf, sechs Prozent nicht schneller gekauft haben. Womöglich, weil sie gemerkt haben, sie können sich Zeit lassen. Vielleicht hat ihnen auch das Line-up nicht gefallen, wobei ich daran nicht glaube. Auch der Ticket-Preis von 350 Euro ist eine Ansage, das kann sich nicht jeder leisten.

MH: … insbesondere junge Menschen!

TJ: Richtig. Aus diesem Grund gibt es für 2027 erstmals ein Ticket gesondert für Jugendliche; das ist keine direkte Reaktion, sondern schon länger in der Planung – wir sprechen schon seit vier Jahren darüber.

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MH: Ihr habt kilometerweise Schotterwege und Bodenplatten verlegt, um gegen alle Wetter gewappnet zu sein – und dann regnet es kaum. Ein Grund für euch, sich zu ärgern?

TJ: Typisch: Wenn man Gummistiefel und Regen­jacke einpackt, scheint die Sonne. Wir wissen, dass letztes Jahr anstrengend war – für alle. Auch ich habe nicht das machen können, worauf ich mich gefreut hatte; darum verstehe ich das Frust-Level. Den teilweise mitschwingenden Vorwurf, wir hätten aus 2023 nicht gelernt, lasse ich nicht gelten. Wir versuchen immer, uns zu verbessern; hätten wir diese Lernkurve nicht gehabt, hätten wir 2025 womöglich absagen müssen.

Aber wir haben weiter dazugelernt und noch mal Kohle in die Hand genommen. Wacken wird nicht ausgesaugt, im Gegenteil: Wir haben viel investiert. Shareholder, Bauern und Behörden haben mitgezogen, um Kilometer an Straße in kürzester Zeit hinstellen zu können. Das muss nicht jeder anerkennen, aber ich bin stolz auf die Leistung unseres Teams! Ärgert es mich, dass wir jetzt nicht den Stresstest durchführen? Null! (lacht)

MH: Es ist ja eine bleibende Investition in die Zukunft!

TJ: Genau das ist die Idee! Es ist eher ein Startschuss für die Vision: Wohin geht Wacken in Zukunft? Wie krieg’ ich den landwirtschaftlichen Kulturraum in einen Metal-Kulturraum? Wir haben einige Aufgaben auf der Welt und werden sie hier nicht allesamt lösen können, aber in unserem Bereich möchten wir tun, was wir können. Für die Metal-Community, aber auch für die Leute vor Ort; immerhin sind wir hier verwurzelt. Der Arbeitstitel ist „Wacken 360°“: Natürlich hätte ich gerne öfter und mehr Liveshows im Landgasthof.

Zugleich soll er keine Eventlocation, sondern eine kommunale Begegnungsstätte sein, auch für Hochzeiten und Beerdigungen. Gastronomie auf dem Land hat es schwer; wir versuchen, mit geilen Konzepten dagegenzuhalten. Das Catering auf dem Wacken Open Air ist komplett regional aus einem Umkreis von 50 Kilometern. Davon wollen Holger und ich mehr!

MH: Es gab weitere Veränderungen auf dem Gelände: Ihr habt die Louder-Bühne ein bisschen gedreht, und das Wasteland komplett verlegt sowie umgestaltet. Wie kam es dazu?

TJ: Das müssen wir hinterher evalu­ieren. Holger, Andre (Jürgens; seit Anfang 2025 Co-Geschäftsführer – Anm.d.A.) und ich haben uns an den Aufbautagen viel umgeschaut und sind dort lange hängengeblieben. Ich fand es geil, soweit ich es mitge­kriegt habe. Es war – obwohl es beim Wasteland erst mal falsch klingt – aufgeräumter und viel schöner. Von den Fuck-ups kriegt man immer erst hinterher mit; deswegen bin ich froh, wenn die Leute uns möglichst unmittelbar Feedback geben, damit wir, wo wir können, reagieren und optimieren können.

MH: Das Line-up fiel bei der dies­jährigen Wacken-Edition äußerst divers aus: Am Donnerstag machte die „Night To Remember“ mit alten Helden ihrem Namen alle Ehre, während der Mittwoch als moderner Party-Tag auffiel. Ich kann mir denken, wo du dich eher zu Hause gefühlt hast …

TJ: Ich kann dir sagen, an welcher Bühne ich am Party-Tag war: Bei Rose Tattoo! Mehr Rock’n’Roll geht nicht. Und ich war nicht alleine. Angry Anderson wird nächstes Jahr 80 Jahre alt – und natürlich möchte ich, dass 80-jährige Rocker genauso kommen wie Kids. Das war die Kombi vom Mittwoch! Electric Callboy haben wir hier lange mitaufgebaut, weshalb ich mich freue, dass sie nächstes Jahr groß zurückkommen.

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Rockharz 2026 – Interview mit Veranstalter Buddy Kohlrausch

METAL HAMMER: Buddy, das Wichtigste zuerst: Herzlichen Glückwunsch Dani und dir vom ganzen METAL HAMMER-Team zur Hochzeit im April! Mittlerweile gehört es zur Rockharz-Tradition, dass während des Festivals amtliche Trauungs-zeremonien durchgeführt werden. Wie wichtig ist dieser familiäre Ansatz fürs Rockharz?

Buddy Kohlrausch: Vielen Dank für die Glückwünsche! Tatsächlich wird – wenn es um das Rockharz geht – viel von der besonders familiären Atmosphäre gesprochen. Und, ja, wir achten sehr darauf, dass diese Atmosphäre, die uns auch ausmacht, erhalten bleibt, obschon wir mittlerweile doch bereits ein eher großes Festival geworden sind. Die Hochzeiten, die wir seit letztem Jahr auf dem Gelände umsetzen können, sind eher ein kleiner Baustein davon. Wir machen vieles, um die Verbundenheit unserer Gäste zum Festival wertzuschätzen und eventuell sogar noch zu erhöhen. Gleiches gilt auch in die andere Richtung. Respekt, Freundlichkeit, Rücksicht und gegenseitige Wahrnehmung sind elementare Bausteine eines gelungenen Festivals. Und das versuchen wir von Jahr zu Jahr zu erhalten und auszubauen.

MH: Der Aufbau fand während einer Periode von Rekordtemperaturen statt. Wie sind eure Bühnenbauer damit klar­gekommen? Welche zusätzlichen Hitzeschutzmaßnahmen musstet ihr treffen?

BK: Das war herausfordernd. Aber unsere Crew ist erfahren im Umgang mit Wetterextremen. Beinahe jedes Jahr haben wir es irgendwann in der Aufbauphase mit extremen Temperaturen, Sturm, Gewittern oder Niederschlägen zu tun. Schlimmstenfalls mit allem zusammen. Aber mittlerweile wissen wir damit umzugehen. Da werden dann zum Beispiel Wasserkanonen aufgestellt, besonders viele isotonische Getränke bereitgestellt, Hüte verteilt oder wie dieses Jahr die Arbeitszeiten auch mal in die Nachtstunden verlegt. Trotzdem bleibt es eine wirklich extreme Höchstleistung, bei den Temperaturen der vergangenen Woche schwere körperliche oder organisatorische Arbeit zu verrichten. Wir sind wirklich sehr stolz und dankbar, dass unser Team auch in solchen Situationen an einem Strang zieht und über sich hinauswächst, damit auch wirklich alles im Timing bleibt und die Türen pünktlich aufgehen können.

MH: Während des Festivals hingegen durften sich rund 25.000 Gäste über fast perfektes Open Air-Wetter freuen. Nur der heftige Wind hat euch größere Sorgen bereitet – wie musstet ihr darauf reagieren?

BK: Mit Wind haben wir es auf dem Flugplatz oft zu tun. Diesmal war er aber besonders ruppig und hatte viele Böen, speziell am Donnerstag und Freitag. Das ist einerseits für den Sound oftmals schwierig, andererseits aber auch ein Risikofaktor für das Arbeiten auf der Bühne. Das müssen wir immer im Blick haben. Zum Glück war es die meiste Zeit trocken, da kann man dann beispielsweise die Bühnenplanen nach hinten etwas öffnen, um die Windlast zu vermindern. Irgendwann muss man aber auch darüber nach­denken, den Bühnenbetrieb zu unterbrechen, bis der Wind ruhiger wird. Das konnten wir zum Glück dieses Jahr vermeiden, kann aber immer vorkommen.

Rockharz-Open-Air-2026-Logo

MH: Seit vergangenen Herbst ist das Rockharz Teil der DEAG Festivals GmbH – unverändert mit Dani und dir als Veranstalter und Geschäftsführer der durchführenden Veruga GmbH. Was bedeutet das für das Festival?

BK: Unter dem Dach der DEAG Festivals sind mehrere deutsche Festivals angesiedelt. Sie sind zwar musikalisch völlig anders ausgerichtet, aber im Grunde sind viele der Herausforderungen ähnlich. Hier können wir uns gut austauschen und Synergien nutzen. Das Entscheidende ist, dass wir mit der DEAG einen Partner haben, der uns einfach weitermachen lässt wie bisher. Wer dieses Jahr auf dem Rockharz war, wird keine gravierenden Änderungen vorgefunden haben, und das soll und wird auch so bleiben. Dani und ich haben als Geschäftsführer weiterhin die Fäden in der Hand. Allerdings tut es auch sehr gut, sich mit Experten aus dem Live-Geschäft auf Augenhöhe abzustimmen und auszutauschen. Da können wir eine Menge lernen, aber auch unsere Erfahrungen einbringen. Das Netzwerk und die Expertise der DEAG stehen uns zur Verfügung, es wird uns aber nichts aufgezwungen. Alles in allem ist das eine sehr schöne Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit angenehmem Personal und einer Menge Know-how in der Gruppe.

MH: Das Rockharz hat sich langsames, gesundes und nachhaltiges Wachstum auf die Fahne geschrieben. Welche Herausforderungen (und welche Vorteile) bringt das mit sich?

BK: Es ist genau das, was wir uns immer gewünscht haben, denn nur Stück für Stück kann man sich verbessern, Probleme langfristig lösen und die Atmosphäre – eines unserer wichtigsten Trademarks – bei­behalten. Etwas herausfordernd ist dabei, dass wir nur eingeschränkt auf dynamische Teuerungsprozesse, die es in den vergangenen Jahren häufiger gab, reagieren können, obwohl wir wahrscheinlich deutlich mehr Tickets verkaufen könnten. Unser Vorverkauf für 2027 läuft gerade seit zwei Stunden, und wir haben bereits 75% der verfügbaren Tickets verkauft. Erstmals ohne Servercrash übrigens; das konnten wir also schon mal optimieren. (lacht) Jedoch wollen wir unbedingt immer besser werden, weitere Prozesse auf dem Festival optimieren und unser familiäres Flair beibehalten. Solange das wirtschaftlich gut möglich ist, werden wir unsere Strategie der kleinen Schritte, was die Festival-Größe angeht, weiterführen.

MH: Welche Höhepunkte des Rockharz 2026 (ob musikalisch oder hinter den Kulissen) werden dir in Erinnerung bleiben?

BK: Das beste und sicher seltenste Erlebnis war, dass wir Alice Cooper backstage treffen durften. Das war sehr beeindruckend. Ein toller, total netter Typ. Und seine Show war auch bombastisch. Der Mann ist 78 – Wahnsinn, wie fit er ist. Ich kann mir leider nicht viele Shows während des Festivals anschauen. Total überrascht war ich davon, wie gut P.O.D. angekommen sind; das ist ja keine klassische Metal-Band. Aber es war ein krasser Abriss. Und ebenso kein Metal, aber mit einem gigantisches Potenzial ausgestattet, sind Mittel Alta: ich habe immer noch einen Ohrwurm von ‘In den Bach’. Und als Knorkator Dani und mich auf die Bühne zitiert und uns zur Hochzeit gratuliert haben, war das ein toller Moment. Mitsamt Küsschen von Stumpen! Alles tolle Menschen auf unserem Festival. Wir sind total stolz!

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Summer Breeze 2026 – Veranstalter-Interview mit Achim Ostertag

METAL HAMMER: Achim, zwanzig Jahre Summer Breeze in Dinkelsbühl! Wenn du zurückblickst: Wie hat sich das Festival mit dem Umzug verändert, und wie habt ihr Dinkelsbühl verändert?

Achim Ostertag: Das Summer Breeze von heute lässt sich mit dem Festival, das 2006 erstmals in Dinkelsbühl stattgefunden hat, kaum noch vergleichen. Nicht nur das Gelände und die Besucherzahlen sind deutlich gewachsen, sondern vor allem die gesamte Organisation dahinter. Mindestens genauso stark hat sich aber unser Verhältnis zu Dinkelsbühl entwickelt. Am Anfang gab es durchaus Vorbehalte: Plötzlich kommen rund 11.000 schwarz gekleidete Metal-Fans in eine mittelalter­liche Kleinstadt – da wusste niemand genau, was passiert. Heute gehört das Summer Breeze für viele einfach zu Dinkelsbühl dazu.

MH: 2026 wurden auf dem Summer Breeze Temperatur­rekorde geknackt. Vor welche Herausforderungen stellte euch das Wetter, und wie seid ihr damit umgegangen?

AO: Es war tatsächlich das heißeste Summer Breeze, das wir bisher erlebt haben. Extreme Wetterlagen sind inzwischen leider ein fester Bestandteil unserer Planung. Deshalb hatten wir bereits früh zusätzliche Schattenflächen wie den großen „Magic Sky“-Schirm, Kühlmöglichkeiten und Wasserkanonen eingeplant. Nach den extremen Temperaturen im Juni und den Problemen beziehungsweise Absagen bei anderen Veranstaltungen haben wir diese Maßnahmen aber deutlich hochgefahren. Speziell bei solchen Bedingungen zeigt sich, wie wichtig die monatelange Vorbereitung und Zusammenarbeit aller Gewerke sind. Und auch unseren Gästen muss man ein großes Kompliment machen: Die meisten sind sehr vernünftig mit der Situation umgegangen, haben aufeinander geachtet und die Hinweise ernst genommen.

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MH: Auch die Anreise lief 2026 trotz knapp 50.000 Gästen bemerkenswert ruhig. Ist das Thema nach den Problemen früherer Jahre inzwischen gelöst?

AO: „Gelöst“ würde ich bei einem Festival dieser Größe nie sagen, denn jedes Jahr bringt andere Voraussetzungen mit sich. Aber wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel Arbeit in das Verkehrskonzept gesteckt, und das zahlt sich inzwischen aus. Die Anreise-Slots an den Hauptanreisetagen helfen uns enorm dabei, die Verkehrsströme zu entzerren. Das funktioniert aber nur, wenn unsere Besucher das System mittragen – und genau das tun sie. Das ist eigentlich ein schönes Beispiel dafür, wie sich das Summer Breeze entwickelt hat: Früher musste man manche Probleme vor Ort irgendwie lösen. Heute versuchen wir, sie Monate vorher so genau zu analysieren, dass sie im besten Fall gar nicht erst entstehen.

MH: Nächstes Jahr feiert das Summer Breeze 30. Jubiläum. Neben einem versprochenen neuen Festival-Logo macht die Ankündigung der einzigartigen „Summer Breeze Legends & Orchestra“-Show neugierig. Was können die Fans erwarten?

AO: Die erste Idee dazu entstand schon kurz nach unserem 25. Jubiläum. Seit ungefähr einem Jahr arbeiten wir wirklich intensiv daran – und das ist schon ein Projekt in einer Größenordnung, die wir so noch nie umgesetzt haben. Es soll ausdrücklich keine normale „Metal meets Orchestra“-Show werden. Wir wollen 30 Jahre Summer Breeze musikalisch auf die Bühne bringen – mit Songs und Künstlern, die dieses Festival geprägt haben. Dafür gibt es eine All-Star-Band, zahlreiche Gast-Stars und ein 40-köpfiges Orchester der Philharmonie Leipzig. Chris Harms und Corvin Bahn kümmern sich um die Arrangements. Wenn man 30 Jahre Summer Breeze in einer einzigen Show erzählen will, braucht man große Songs, viele Wegbegleiter und natürlich auch ein bisschen Größenwahn. Genau daran arbeiten wir gerade.

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Interviews: Sebastian Kessler

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Quelle: METAL HAMMER.de