Europe: Demokratisches Grundverständnis
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Startschuss in die Charts
Das sah in den bunten Achtzigern bekanntlich noch ganz anders aus. Als Europe im Mai 1986 ihr drittes Studioalbum THE FINAL COUNTDOWN veröffentlichten, hatte die Band plötzlich einen internationalen Chart-Stümer am Start, der ihre Karriere in eine ganz andere Dimension katapultieren sollte. Song-Zeilen wie „Prayin’ that maybe someday / He could be number one“ (‘On The Loose’) wirkten plötzlich wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. „Als wir 1984 bei CBS/Epic unterschrieben, hatten sie damals Boston und Michael Jackson unter Vertrag. Das beflügelte unser Selbstvertrauen, genauso wie die ersten fürs Album geschriebenen Songs viel Potenzial offenbarten.
Aber niemand konnte diese Erfolgsgrätsche in die Pop-Welt vorhersagen. Das war gar nicht unsere Welt, wir kamen eher aus dem Universum von UFO, Thin Lizzy und Rainbow“, blickt Tempest zurück. „Ich begann jedenfalls damals, mehr mit dem Keyboard zu experimentieren. Es war einfach ein hilfreiches Werkzeug für mich“, kommentiert Tempest eine instrumentale Stellschraube der Scheibe, „Eines Tages saß ich allein mit Mic im Studio in San Francisco und wir hörten ein paar der Stücke im finalen Vocal-Mix. ‘Final Countdown’ war eines davon, und es bescherte uns eine Gänsehaut. Das war der Moment, an dem wir dachten, die Leute könnten es genauso mögen wie wir.“
Aufgekeimte Differenzen
Unterstützt von den zwei damals frischen Band-Rekruten, Schlagzeuger Ian Haugland und Keyboarder Mic Michaeli, setzten Europe zu einem beispiellosen Höhenflug an. Dass genau diese Albumbesatzung – nach Auszeit und Zerwürfnissen – heute wieder und weiter reüssiert, ist nicht weniger bewundernswert. Mag Tempest auch weiterhin die treibende und lenkende Kraft in der Band sein, weiß das Europe-Oberhaupt heute doch um die Wichtigkeit des gegenseitigen Austauschs und einer demokratischen Gruppendirektive. Insbesondere, da damals die aufgekeimten Differenzen zwischen Band, Management und John Norum so unüberwindbar wurden, dass der Gitarrist das Mutterschiff auf seinem Siegeszug Ende Oktober 1986 verließ.
„Wir waren eine der größten Bands der Welt und lebten den Traum, und dann auf einmal das“, blickt Joey zurück. „John war damals unzufrieden mit vielen Dingen“, so der Sänger. „Er fand unter anderem den Album-Mix zu Keyboard-lastig und hätte sich mehr Gitarren gewünscht. Das größte Problem bestand aber darin, dass wir nicht mehr miteinander redeten. Wir fuhren in unterschiedlichen Limousinen und hielten nur noch über den Tourmanager Kontakt.“
Reine Spekulation
Es sollte zwei Alben mit Ersatzspieler Kee Marcello sowie einen kalendarischen Jahrtausendwechsel dauern, bis Europe zwanzig Jahre darauf erneut in der FINAL COUNTDOWN-Besetzung ihr Comeback SECRET SOCIETY lancieren würden. Ob die Zwistgeschichte damals anders verlaufen wäre, wenn etwa Scorpions-Klangmeister Dieter Dierks oder Bon Jovi-Spezi Bruce Fairbairn, die beide als Produzenten im Gespräch waren, betreut hätten, bleibt reine Spekulation. „Vielleicht hätte John bei Dieter mehr Gitarren bekommen“, sagt der Sänger leicht scherzhaft.
„Die Plattenfirma hatte jedenfalls auch Kevin Elson vorgeschlagen. John und ich liebten beide Neal Schon und Steve Perry (Gitarrist respektive Sänger – Anm.d.A.) von Journey, und da Kevin an ein paar ihrer Alben gearbeitet hatte, fanden auch wir diese Entscheidung gut. Man muss zudem festhalten: Es gab in den Achtzigern Platten, die überproduzierter und aufgrund digitaler Technik deutlich dünner klangen als THE FINAL COUNTDOWN. Kevins Arbeitsweise war noch sehr analog und entsprechend warm fällt der Klang des Albums aus“, blickt Tempest zurück.
„Wir haben uns beim Gesang etwas von Steve Perry abgeguckt. Perry wollte immer wie Sam Cooke klingen. Dafür musste man an den Dolby-Einstellungen drehen, um den Atem-Sound auf meiner Stimme etwas zu verstärken“, so der Sänger rückblickend, der an THE FINAL COUNTDOWN im Nachhinein nichts ändern würde und sich heute schon darauf freut, das Werk in Gänze Ende des Jahres auf der Bühne zu reproduzieren. Ob sich COME THIS MADNESS eines Tages ebenfalls als vollständig aufzuführender Konzertkandidat empfehlen könnte, ist hingegen eine Entscheidung, bei der das letzte Wort noch nicht gefallen ist.
Demokratisches Grundverständnis
„Unser Showbooker schlug vor ein paar Stunden witzigerweise genau das vor“, freut sich Joey, der allerdings auch schon selbst mit diesem Gedanken schwanger gegangen war. „Ich wäre dafür zu haben, aber letztendlich liegt die Entscheidung bei uns allen.“ Womit wir wieder bei Europes demokratischem Grundverständnis als Schlüssel zum gemeinsamen und andauernden Erfolg wären.
Warum COME THIS MADNESS in den Jubiläumszeitraum von THE FINAL COUNTDOWN gefallen ist, woher die Vergangenheitsbezüge stammen und wie gut sich Tempests Textschreibkünste entwickelt haben, lest ihr in der METAL HAMMER-Oktoberausgabe 2026, erhältlich am Kiosk oder indem ihr das Heft bequem nach Hause bestellt. Noch einfacher und günstiger geht’s im Abo!
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Quelle: METAL HAMMER.de
















