Dieses AC/DC-Album brauchte fünf Jahre für den Weg in die USA!

1976 waren AC/DC eine Band im Übergang: hungrig, ruppig, ungeduldig, und mit einem Sänger, der seine Geschichten nicht nur sang, sondern auch lebte. Dass die Platte in den USA erst 1981 offiziell aufschlug – zu einem Zeitpunkt, an dem Bon Scott bereits tot war und die Band sich mit Brian Johnson neu erfand -, verleiht diesem Kapitel eine Schwere, die man beim ersten Hören nicht ahnt. Die offizielle Erstveröffentlichung ist heute exakt 50 Jahre her, weshalb wir tiefer in die Geschichte von AC/DCs Drittwerk einsteigen.

Zwischen Studiohitze und Label-Zweifeln

Die Sessions in Albert Studios waren kein glamouröser Rock’n’Roll‑Mythos, sondern harte Arbeit. Harry Vanda und George Young hielten die Band zusammen, während draußen die Industrie noch nicht wusste, was sie mit diesem australischen Export anfangen sollte. Atlantic Records zweifelte an der Produktion, an Bon Scotts Stimme, an der Ungehobeltheit des Materials. Schließlich war es Label-Besitzer Phil Carson persönlich, der die Band vor dem Rauswurf rettete.

Gleichzeitig war DIRTY DEEDS DONE DIRT CHEAP das erste AC/DC‑Album, das komplett mit derselben Besetzung entstand. Keine nachträglich eingestreuten Tracks mit anderen Bassisten oder Schlagzeugern. Eine Band, die sich gerade selbst definierte, ohne Rücksicht auf Radiotauglichkeit oder amerikanische Erwartungen.

Ein schmutziger Noir‑Thriller

Das Lied ‘Dirty Deeds Done Dirt Cheap’ ist kein Rock-Song im klassischen Sinn, sondern ein kleiner Noir‑Film. Ein Hitman, der Probleme löst: betrügende Partner, Menschen, die sich in ihren eigenen Dramen verheddern. Die Nummer 36‑24‑36, ein realer australischer Anschluss der Sechziger, wurde später sogar zum Gegenstand einer Klage, weil ein Ehepaar glaubte, das Lied habe ihre Telefonnummer verfremdet.

Der Humor ist schwarz, die Haltung trocken, die Erzählung schneidet wie ein Rasiermesser. Angus Youngs Inspiration aus der Cartoon-Figur Dishonest John zeigt, wie tief AC/DC ihre Pop-Kultur‑Eindrücke in harte Rock‑Riffs verwandelten. Das ist kein Glamour, das ist Straßenstaub.

Bon Scott zwischen Rausch und Realität

Wer DIRTY DEEDS DONE DIRT CHEAP nur als rotziges Rock-Album abtut, hat ‘Ride On’ nicht verstanden. Dieses Lied ist ein stiller, schwerer Moment, in dem Bon Scott nicht der grinsende Straßenpoet ist, sondern ein Mann, der seine Fehler kennt und sie nicht mehr wegtrinken kann. ‘Ride On’ ist kein Blues für die Bühne, sondern ein Blues für die Nacht, in der man alleine nach Hause läuft. Die Vergangenheit zeigt leider klar: Bon wusste genau, wovon er sang.

Die internationale Version: ein Flickwerk mit Folgen

Die internationale Ausgabe des Albums ist ein Puzzle, das zeigt, wie unsicher das Label war. ‘Jailbreak’ und ‘R.I.P. (Rock in Peace)’ verschwanden, ‘Rocker’ und ‘Love At First Feel’ kamen hinzu. Songs wurden gekürzt, später wieder verlängert, dann erneut gekürzt. Ein Hin und Her, das die Energie des Albums nie ganz brechen konnte, aber viel über die damalige Industrie verrät.

Als das Album 1981 endlich in den USA erschien, schoss es auf Platz 3 der Billboard‑Charts – ein Triumph, der gleichzeitig die Veröffentlichung vom aktuellsten AC/DC-Album FOR THOSE ABOUT TO ROCK (WE SALUTE YOU) (1981) überschattete.

Humor, Härte und ein Hauch von Gefahr

DIRTY DEEDS DONE DIRT CHEAP ist ein Album, das sich nicht entschuldigt. ‘Big Balls’ ist pubertär, clever und bewusst überzogen. ‘Problem Child’ ist jugendliche Rebellion pur. Die Gitarren bellen sich gegenseitig an, Phil Rudd treibt sein Schlagzeug durch die Gegend, und Bon Scott attackiert mit seinem Gesang alles, was sich ihm in den Weg stellt.

Das Chaos rund um den Entstehungs- und Veröffentlichungsprozess gehört ein halbes Jahrhundert später zum Mythos um das Album. Es ist kein poliertes Meisterwerk, das wollte es aber auch nie sein. AC/DCs Drittwerk zeigt die Band authentisch in der Findungsphase. DIRTY DEEDS DONE DIRT CHEAP ist ein Album, das nach billigen Verstärkern, langen Nächten und dem Geruch von Tourneebussen klingt. Es ist AC/DC, bevor die Welt sie verstand. Das macht es zu einem der wichtigsten Kapitel dieser Band.


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Quelle: METAL HAMMER.de