Kritik zu Ghøstkid FOLLOW THE WHITE RABBIT

Der weiße Hase führt Ghøstkid nicht ins Wunder­land, sondern in Sebastian „Sushi“ Bieslers Abgründe. FOLLOW THE WHITE RABBIT entstand zwischen Ausbrennen und ­gren­zenloser Euphorie. Diese Gegensätze bestimmen ein Album, das nach dem Abschied der bisherigen Band einen Neu­anfang markieren muss. Wer nach sechs gemeinsamen Jahren die Instrumente übernimmt, bleibt noch verborgen. ­Biesler selbst zeigt sich allerdings so offen wie selten. Musikalisch bietet die Platte ­weiter­hin unverkennbar Ghøstkid: ‘Mother Death’ und ‘Purple Snakes’ drücken gerne aufs Gaspedal. Gleiches gilt für ‘Give Your Kids A Gun To Play’, das einen griffigen Refrain mit einem fiesen Breakdown kombiniert, der am Ende alles zerlegt. Doch die stärksten Momente entstehen nicht allein durch Härte: ‘Ivory’ zieht langsam die Spannungsschraube an, bevor sein emotionaler Refrain die Gitarrenwand aufbricht. ‘I Destroyed You’ pendelt ähnlich wirkungsvoll zwischen ruhigen Passagen, Metalcore-Riffs und ausdrucks­starken Melodien. Der Titel-Track lässt Rap auf angestaute Wut treffen und erinnert kurz an Hollywood Undead. ‘Neon’ geht deutlicher in Richtung Hip-Hop, bevor die Gitarren übernehmen. ‘Lovely’ fährt dagegen fast alles herunter und funktio­niert als leicht poppige, verletzliche Ballade. FOLLOW THE WHITE RABBIT ist somit nicht der radikale Neustart, den man nach diesem Umbruch hätte erwarten können. Stattdessen öffnet Biesler die Rüstung und zeigt, was darunter liegt: ein düsteres, widersprüchliches und manch­mal überraschend schönes Gefühls-Chaos. Für Fans ein Muss, für Neugierige eine klare Hörempfehlung.

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Quelle: METAL HAMMER.de