Kritik zu To The Grave LIBERATION FRONT

Man erwartet wohl alles, aber nicht das neue Album einer veganen Death­core-Band, wenn man den Blick auf das Cover von LIBERATION FRONT richtet: abge­trennte, blutverschmierte Tierköpfe ruhen (oder eher verkommen) darauf in der Schubkarre eines Metzgers. Vermutlich soll dies eine Provokation darstellen; dennoch erschließt sich der Sinn nicht ganz bei einer Band, die vor allem Songs darüber schreibt, die menschliche Spezies hinzuraffen. Nun denn, sei’s drum. Drei Jahre nach ihrer letzten musikgewordenen ‘Purge’ haben die Australier To The Grave zehn neue Ideen entwickelt, mit ihren Artvertretern abzurechnen – nicht nur thematisch. Dabei ist LIBERATION FRONT wahrlich nichts für zarte Gemüter: Schon der explizite Album-Opener ‘Meat The Humans’ schießt mit (echten) Shotgun-Blasts, runtergeknüppelten Riffs und bis zur Unkenntlichkeit maulenden Growls herein. Daran schließt ein knapp 15 Sekunden langer Todesschrei an, der in ‘Nail Mary’, einen Song, der religiösen Fanatismus mit einer Kettensäge abstraft, einführt. Hier werden außerdem weitere unver­ständliche Gesangstechniken wie dröhnende Shouts, heisere Screams und Pigsqueals präsentiert. Jenes klanggewordene Schlachthaus erweitert seinen Schrecken von Song zu Song, allerdings nicht ohne (ganz) kurze Hoffnungs­-schimmer mit greifbaren Grooves, einem melancholischen Akustikakkord (‘Torture Porn’) oder gar einer atmosphärischen Hintergrund­melodie (‘Calf Slicer’, ‘The World Is A Slaughterhouse’) zu senden. Es ist beeindruckend, wie viel Aggression und Hass diese junge Band in sich zu tragen scheint, die unter australischer Sonne aufgewachsen ist – und mit wie vielen Mitteln sie diese ausdrückt.

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Quelle: METAL HAMMER.de