Kritik zu Evanescence SANCTUARY

Fünf Jahre nach THE BITTER TRUTH präsentieren Evanescence mit SANCTUARY das nächste Studio­werk, das sehr vom aktuellen Weltgeschehen beeinflusst wurde. In gewisser Weise lässt sich dort auch ‘Afterlife’ verorten, das – obschon als Soundtrack zur Animationsserie ‘Devil May Cry’ konzipiert und veröffentlicht – durchaus in den sozialkritischen Kontext gezogen werden kann. Musikalisch auffällig ist aber insbesondere die Rückkehr in härtere Gefilde. Schon der ­Opener ‘Beautiful Lie’ ist ein vor Kraft strotzendes Zusammenspiel von zarten Klängen und prügelnden Riffs. Ähnlich druckvoll und zugleich melodisch geht es mit ‘Tell Me When You Had Enough’ weiter. Hier überraschen gezielt eingesetzte Tempowechsel. Bass und Gitarre erinnern in beiden Nummern stellenweise an Korn. So lieblich ‘Who Will You Follow’ auch beginnt (und in einzelnen Passagen auch bleibt), so brachial prescht das Stück in seiner Gesamtheit nach vorne. Bei ‘Rapture’ und der Titelnummer, die zu Deutsch „Zuflucht“ bedeutet, finden die zuvor subtil eingesetzten synthetischen Klänge (fast schon in Richtung Industrial) deutlich mehr Raum, jedoch ohne Härte einzubüßen. Bei Amy Lee und Co. scheint sich einiges angestaut zu haben. Erst mit ‘How Do I Heal’ findet sich eine Ballade, die aus drei Komponenten besteht: Piano, Streich­instrumente und bezaubernder Gesang. Ebenso verhält es sich mit ‘Forever With­out You’, wobei Amy stellenweise regelrechten Schmerz in die Welt zu schreien scheint – herzzerreißend. Auch die ­übrigen Songs bergen fast durchweg Dauer­schleifenpotenzial – für eingefleischte Fans sowieso.

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Quelle: METAL HAMMER.de