Iron Maiden und Sabaton liefern am Samstag ab

Es geht weiter bei Rock im Park: Der Samstag bietet einiges. Das erste Schmankerl auf der Hauptbühne kommt mit leichter Verzögerung, doch dann zimmern Black Veil Brides den Leuten direkt ‘Knives And Pens’ in den Gehörgang. Was für ein herrlicher Aufgalopp, den das Quintett mit ‘Bleeders’, ‘Hallelujah’ und dem Titeltrack vom neuen Longplayer VINDICATE ausbaut – allesamt amtliche Metalcore-Granaten. Frontmann Andy Biersack scheint anfangs nicht in bester stimmlicher Verfassung zu sein, fängt sich jedoch immer mehr – und beliebt sogar zu scherzen: „Ich weiß, ihr seid alle hier, um Iron Maiden zu sehen, aber in der Zwischenzeit ist unser auf dem Kopf stehendes Logo, das gelegentlich vom Blitz getroffen wird, fast genauso cool!“
Geheimtipp
Noch bevor das US-Geschwader mit ‘In The End’ seinen größten Hit schmettert, locken Blood Incantation hinüber zur Mandora Stage. Die Psychedelic-Death-Metaller aus Denver nehmen die bedauerlicherweise viel zu kleine Menge mit auf eine Reise in ferne Welträume. Was für eine Musikalität! Und was für ein liebenswert-uriger Kauz von einem Tausendsassa ist Mainman Paul Riedl eigentlich?
Zusammen mit Gitarren-Kollege Morris Kolontyrsky ist der Frontmann zwischen den Songs immer brav am Nachstimmen – sehr löblich (genauso wie die maximal metallischen Äxte von B.C. Rich und die 5150er- beziehungsweise 6505er-Peavey-Amps)! Wo gibt’s was zum Rauchen? Mehr Kunst geht heute nicht, wobei die Musiker gekonnt den Spagat zwischen Abdriften und Abmoshen hinbekommen, was ein nicht enden wollender Circlepit nicht weit von der Bühne untermauert.
Tom Araya-Gedächtnis-Schreie
Gegenüber Hollywood Undead setzen sich im Nachgang knapp Bloodywood durch. Die Inder ballern ihren Ethno-Nu Metal daher – und die Party-willige Rock im Park-Meute bounct, als gäbe es kein Morgen. Zwischendurch stoppen „technische Schwierigkeiten“ die wild gewordene Elefantenherde von einer Band. Zur Überbrückung schwingt sich Vishesh Singh zu einem Schlagzeugsolo auf – und der darauf folgende Circlepit zu ‘Nu Dehli’ scheint zu einem menschlichen Mahlstrom zu avancieren.
Dann rufen Gatecreeper in die Halle. Die Death-Metaller aus Arizona weben punktuell auch doomige Klänge in ihre Kompositionen mit ein, wobei das Fünfergespann den Mosh nie zu kurz kommen lässt. Astreine Versohlung durch Gute-Laune-Schlager der Marke ‘Masterpiece Of Chaos’, ‘The Black Curtain’ und ‘Flamethrower’! Äußerst delikat: Frontorgan Chase „Hellahammer“ Mason hat tiptoppe Tom Araya-Gedächtnis-Screams drauf. Respekt!
Nach einer viel zu langen Sekunde bei Finch (die trotzdem deutlich kurzweiliger als Breaking Benjamin ist) könnten Social Distortion ihre Einlaufmusik (‘Rebel Rebel’ von David Bowie) im Grunde in Endlosschleife laufen lassen, machen letztlich dennoch schnell mit dem Comebacktrack ‘Born To Kill’ deutlich, wo Mike Ness seine Riffs holt. Nach ‘Tonight’ und ‘No Way Out’ („ein echter Party-Kracher“, ironischer O-Ton Ness) macht sich eine weitere Schwäche des Spielplans bemerkbar: Die Punk-Kollegen The Offspring drehen schon auf der Rock im Park-Hauptbühne ihre Verstärker auf. Schlaukopf Dexter Holland und Co. eröffnen mit ‘Come Out And Play’ – wer hat, der kann.
Die Kalifornier – bei denen der noch ziemlich neue und vergleichsweise junge Brandon Pertzborn am Schlagzeug eine tolle Figur macht – schnüren ein spaßiges Potpourri aus fein abgehangenen Klassikern à la ‘Staring At The Sun’, ‘Original Prankster’ und ‘Bad Habit’, angereichert mit den angezockten Covern ‘Paranoid’ (Black Sabbath), ‘Crazy Train’ (Ozzy Osbourne) und ‘In The Hall Of The Mountain King’ (Edvard Grieg). Natürlich wartet die riesige Meute (später bei den Eisernen Jungfrauen ist gar ein Mü weniger los) auf Songs der Kragenweite ‘Pretty Fly (For A White Guy)’, ‘The Kids Aren’t Alright’ sowie ‘Self Esteem’, zu denen regelrechte Ekstase vor der Utopia Stage herrscht.
Überragender Headliner
Alsdann haben Alter Bridge richtig Bock: Stimmgewalt Myles Kennedy sowie Riffmeister Mark Tremonti grinsen um die Wette und zeigen beide feinste Saitenkünste in Songs wie ‘Addicted To Pain’, ‘Cry Of Achilles’ und ‘Fortress’. So sympathisch das Quartett und so brillant die einzelnen Musiker auch an ihren jeweiligen Instrumenten abliefern, kann das alles nicht über das ausbaufähige Songwriting hinwegtäuschen – in dieser Hinsicht schwächeln besonders die Refrains (mit Ausnahme von ‘Metalingus’ und ‘Blackbird’ weit hinten im Set, versteht sich).
Darüber kann man sich bei Iron Maiden freilich überhaupt nicht beklagen (höchstens über die 20-minütige Verspätung). Wenig bis nichts geht über die als Headliner bei Rock im Park auftretenden Genre-Giganten, daher müssen auch leider A Perfect Circle links liegen bleiben. Die Setlist der „Run For Your Lives“-Tour haben die Briten minimal mit ‘Infinite Dreams’ gepimpt. Adrian Smith und Dave Murray im Besonderen gniedeln heute gar wirklich herzallerliebst – unter anderem in ‘Killers’ und ‘Phantom Of The Opera’. Als erster Höhepunkt beglückt das frenetisch gefeierte ‘The Number Of The Beast’ die Fans.
Zu ‘Powerslave’ stellt Bruce Dickinson eine ägyptische Federmaske zur Schau. Zwischen All-Time-Faves à la ‘2 Minutes To Midnight’, ‘Run To The Hills’ und ‘The Trooper’ streuen Mastermind Steve Harris und Co. Songperlen wie ‘Rime Of The Ancient Mariner’ (inklusive maximal epischen Visuals), ‘Murders In The Rue Morgue’ und ‘Iron Maiden’. ‘Seventh Son Of A Seventh Son’ bietet das Sextett in überragender Manier dar, genauso wie ‘Hallowed Be Thy Name’. Die mitreißende Zugabe hat es mit ‘Aces High’, ‘Fear Of The Dark’ und ‘Wasted Years’ dann noch einmal so richtig in sich.
Eigentlich dürften Sabaton im Anschluss kein leichtes Spiel haben. Obgleich die Schweden ihre opulenten Bühnenaufbauten der jüngsten Tournee zuhause gelassen haben, fällt die heutige Festivalshow im Vergleich fast nicht ab. Unter anderem bei ‘Great War’, ‘Crossing The Rubicon’, ‘Hordes Of Khan’ sowie mit dem Abschlussfeuerwerk nach ‘To Hell And Back’ versucht das Quintett den Nachthimmel abzufackeln. Ansonsten fahren die Power-Metaller einige spektakuläre Visuals ab, die Songauswahl ist eine gelungene Mischung aus alt und neu – was will das Fan-Herz mehr? Außer vielleicht eine Mütze Schlaf nach diesem zweiten, ereignisreichen Tag bei Rock im Park…
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Quelle: METAL HAMMER.de















