Kritik zu GOTHIC REMAKE

Wer Anfang des Jahrtausends seine Freizeit in Pixelrollenspielen versenkt hat, wird sich mit ziemlicher Sicherheit an ‘Gothic’ (2001) versucht haben. Entwickler Piranha Bytes hat mit seinem Erstlingswerk damals ein wahres Meisterwerk hingelegt, an dem es sich die folgenden Jahre zu messen galt. Allein die organische Welt, in der NPCs einem geregelten Tagesablauf nachgingen, war seinerzeit revolutionär. Diverse Bugs und Spielfehler ließen ‘Gothic’ respektive den Entwickler Piranha Bytes allerdings ebenso berüchtigt werden. Nun erhält der Titel mit ‘Gothic Remake’ eine Rundumerneuerung. Zur Handlung: Der Menschenkönig führt Krieg gegen die Orks. Um diese in die Knie zu zwingen, benötigt er ein mächtiges Erz, um Waffen zu schmieden. Abgebaut wird die Ressource von Strafgefangenen, die in eine von einer magischen Barriere eingeschlossene Kolonie geschickt werden und zu denen auch der Protagonist, der namenlose Held, gehört. Dabei schließt man sich einer von drei möglichen Fraktionen in dem Freiluftgefängnis an, für die man Quests erfüllt und zunehmend in ihrer Gunst aufsteigt. Schnell finden sich altbekannte Wege durch die Minenkolonie, Wiedersehen mit bekannten Charakteren wecken Retrogefühle. Und darüber hinaus gelingt es ‘Gothic Remake’, in die bestehenden Strukturen sinnvoll neue Inhalte einzugliedern. Alte Schauplätze wirken schicker und detaillierter, neue Quests sorgen auch bei alteingesessenen Fans (und vor allem im Original vergleichsweise leeren späteren Verlauf) für Spannung, und die Tatsache, dass viele der einstigen Sprecher erneut in ihre charakteristischen Rollen schlüpfen, weckt Nostalgie. ‘Gothic’ ist immer noch eines der besten Rollenspiele überhaupt – und mit ‘Gothic Remake’ noch ein Stückchen besser. Trotzdem kränkelt die Neuauflage wie auch bereits das Original an diversen technischen Schnitzern und (wenn auch an teilweise anderen als früher), die den Spaß schmälern. Dennoch: Mission ‘Gothic Remake’ fast vollständig geglückt. Nur an der erhofften Makellosigkeit hapert es.



Quelle: METAL HAMMER.de