Kritik zu MARVEL’S WOLVERINE

Bereits vor der Veröffentlichung von ‘Marvel’s Wolverine’ sorgte weniger der Titel an sich und die Videospielumsetzung des ruppigen Marvel-Helden mit den Krallenhänden für reichlich Diskussionsstoff, sondern vor allem die ungewöhnliche Brutalität, die Insomniac Games auf das digitale Parkett bringt. Und tatsächlich ist die Gewalt in ‘Wolverine’ kaum zu übersehen. Blut spritzt, Körper werden zerfetzt, und Wolverines Klauen hinterlassen deutliche Spuren. Doch so plakativ die Inszenierung zunächst wirken mag, so konsequent passt sie letztlich zur Figur. Denn spielerisch macht sich die Brutalität durchaus bezahlt. Wolverine fühlt sich mächtig an, ohne dabei völlig unverwundbar zu wirken. Die Kämpfe sind direkt, wuchtig und erfreulich kompromisslos. Zwischen schnellen Nahkampfangriffen, Ausweichmanövern und Wolverines Selbstheilung entsteht ein Kampfsystem, das seine Stärken vor allem dann ausspielt, wenn mehrere Gegner gleichzeitig auf den Mutanten losgehen.

Die Geschichte gibt seiner Figur genügend Raum und zeigt auch die verletzliche Seite des eigentlich unverwüstlichen Helden. Das sorgt für einige ruhigere Momente, die der ansonsten sehr Action-reichen Inszenierung guttun. Ganz ohne Schwächen kommt ‘Marvel’s Wolverine’ allerdings nicht davon. Einige Passagen wirken unnötig gestreckt, und auch spielerisch bleibt vieles näher an bekannten Genre-Formeln, als es die spektakuläre Präsentation vermuten lässt. Trotzdem gelingt es dem Spiel, Wolverines besondere Identität überzeugend einzufangen. Die Brutalität ist dabei weniger Selbstzweck als Stilmittel. Wer mit der kompromisslosen Darstellung nichts anfangen kann, dürfte an ‘Marvel’s Wolverine’ wenig Freude haben. Wer dagegen schon immer erleben wollte, wie es sich anfühlt, mit gewetzten Klauen durch Gegnerhorden zu pflügen, bekommt genau das geboten.



Quelle: METAL HAMMER.de