Ein Blick ins Depot der Berliner Ausstellung

Kreischende Gitarren, Patches auf der Kutte, schwerer Schmuck – das kennen wir alles aus dem Metal, das war schon immer so. Stimmt – aber dann eben doch nicht. Was heute und in Westdeutschland klare Sache ist, brachte im geteilten Deutschland Hürden mit sich. Die Ausstellung „Heavy Metal in der DDR“ will die andere Seite der Mauer beleuchten – einen Ort, wo die West-Kultur zwar bekannt war, aber das Teilhaben schwerer.

Eine etwas andere Fan-Kultur

Auf 180 Quadratmetern und zwei Räumen gibt das Museum in der Kulturbrauerei Einblicke in ein etwas anderes Fantum. Sie zeigt die Hürden einer durch die Regierung politisierter Kultur. Dabei wird auf das schwierige Schicksal von lokalen Bands eingegangen, die selbst im Osten, wo deren Material schwer zu beschaffen war, hinter Metallica oder Helloween zurücktreten mussten. Vertreten sind primär Biest und Macbeth, aber auch die DDR-Größen Formel 1 sowie eine selbstgenähte Bühnenhose von Depressive Age-Schlagzeuger Jan sind zu finden. So führt die Ausstellung auch durch eine Subkultur, die noch mehr als im Westen auf DIY beruhte. Eigenhändig hergestellter Nietenschmuck, bemalte Kutten, umgestaltete Instrumente – das alles wird ausgestellt und war auch hinter den Kulissen im Museumsdepot bereits zu sehen. Was in der Ausstellung hinter Glas stehen wird, ist von Nahem besonders beeindruckend kreativ gestaltet.

Selbstbemalte Kutte des Fans Jens Müller, Leihgabe an die Stiftung Haus der Geschichte für die Ausstellung „Heavy Metal in der DDR“.

Zeitzeugen über Metal in der DDR

Zusätzlich kommen acht Zeitzeugen, Musiker wie Fans, zur Sprache. Vorab gab es Statements zur persönlichen Bedeutung von Metal zu hören, ab März gibt es tiefere Einblicke in die Interviews. Vollständig sollen sie schließlich im Zeitzeugenportal des Hauses der Geschichte einsehbar sein, heißt es von den Veranstaltenden. Die beidseitige Wertschätzung ist auch in der Lagerhalle spürbar. Viele der Original-Exponate stammen direkt als Leihgaben von den Zeitzeugen. Die Museumsmitarbeiter berichten von großer Hilfsbereitschaft aus der alten Szene. Die wird in der Ausstellung als Krönung natürlich auch durch das illustriert, was sie überhaupt erst zusammenbrachte: Die Musik.

Hinter den Kulissen von „Heavy Metal in der DDR“: Biest-Bassist Hartmut Rosenhahns blau angemaltes Instrument.

Am Schluss soll jeder etwas mitnehmen – Wissen um die DDR, Wissen um den Metal, oder auch einfach standesgemäß ein extra für die Ausstellung entworfener Patch.

Und: Auch METAL HAMMER ist Teil der Ausstellung. Das Magazin vermittelte nämlich einst über eine Annonce eine ganz besondere Brieffreundschaft zwischen zwei Metal-Fans aus Ost- und Westdeutschland. 1986 kennengelernt, stehen Martin Missy von Protector und Heiko Posselt noch immer in Kontakt. Die betreffende Ausgabe 07/1986 ist Teil von „Heavy Metal in der DDR“.

Annonce in METAL HAMMER 07/86

Die Ausstellung beginnt am 18. März 2024 und läuft bis zum 9. Februar 2025. Neben den Exponaten gibt es auch immer wieder kleine Veranstaltungen. So lädt das Museum einmal im Monat zu Abendformaten mit Zeitzeugengesprächen ein, im September ist außerdem ein Kindertag geplant. Der Eintritt ist frei, die Ausstellung ist auf Deutsch und Englisch erschließbar.


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Annika Eichstädt

Annika Eichstädt



Quelle: METAL HAMMER.de