Kritik zu Lost In Kyiv WE’RE ALL GOING TO BE FINE

Wer die französischen Post-Rocker noch als Lost In Kiev kennt: Neu ist nicht nur der eingewechselte Schlagzeuger Jérémie Legrand, sondern eben auch diese Schreib­weise, die der Hauptstadt der Ukraine Respekt zollt. Für die Band ergibt die Umbenennung zu diesem Zeitpunkt Sinn; sie fühlt sich von frischer Dynamik ergriffen, eine Version 2.0 ihrer selbst, lauter und mehr Metal-orientiert (sagen sie). WE’RE ALL GOING TO BE FINE ist ihr Deep Dive in die menschliche Psyche, diesen „Ursprung alles kommenden Bösen“, wie das im CD-Digipak abge­druckte C.G. Jung-Zitat menetekelt. Tatsächlich heben sich die Stücke mit ordentlichem Druck und gutem Pacing von dem ab, was man noch vom Vor­gänger RUPTURE (2022) im Ohr hat – aber ich bin mir nicht völlig sicher, ob hier nicht einfach eine krispere Produktion zu Buche schlägt. Denn die perlenden Synthie- und Sample-Momente, mehr Space Prog als wirklich hart pointierter Post Rock, gibt es immer noch reichlich. Die Band nennt aktuell Filme wie ‘Vergiss mein nicht!’ und Lars von Triers ‘Melancholia’ als Inspiration; Streifen über die Tiefen von Seele und Gedächtnis, über Heilung, und das sind auch die Themen der Texte, die einem in ‘Euphoria’ und ‘Becoming’ (mit Gastsängerin Rebecca Need-Menear) begegnen. Anspieltipps: die kompakten ‘Burst’, ‘Enlightened’ und das nervöse ‘Mantra’ mit seinem Breakbeat-Mittelteil. Mein Favorit: ‘Eclipse’ mit einer sechs­köpfigen Bläsersektion.

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Quelle: METAL HAMMER.de