Kritik zu Lunar Shadow THE PALL OF A PAST WORLD
Vor ein paar Jahren habe ich die Prophezeiung gewagt, dass Lunar Shadow mit ihrer elektrisierenden Mischung aus klassischem Heavy Metal, Epic Doom, Gothic und einem Hauch von melodischem Black Metal ein ganz großes Album in sich tragen würden. Ist THE PALL OF A PAST WORLD nun dieses Album geworden? Die Position ganz oben im Soundcheck mag das suggerieren, aber nein. Es ist vielmehr erneut ein Werk mit fantastischen, aber auch frustrierenden Aspekten, eben nicht makellos, aber genau deswegen umso individueller und charmanter. Dabei hat sich einiges getan bei der ursprünglich aus Hessen stammenden, mittlerweile aber in Berlin beheimateten Band. Max Birbaum, schon immer Lead-Gitarrist und Hauptkomponist, hat sich seiner einstigen Studiomitstreiter entledigt, den Großteil der Instrumente und auch den Gesang übernommen und ein paar „Hired Hands“ mit dem Rest betraut.
Zum Glück ist dabei kein irrer Egotrip herausgekommen, sondern ein neuer Fokus auf das, was Lunar Shadow schon immer ausgemacht hat: auf ihren kaleidoskopartigen Umgang mit vielseitigen Einflüssen sowie das ewige Changieren zwischen den Genres auf der Suche nach der Magie der Riffs. ‘The Cormorant’ eröffnet THE PALL OF A PAST WORLD mit exotischem Flair in Form eines melancholischen Solos auf der Koto, einer asiatischen Form der Zither. Sobald Max die Gitarre ins Spiel bringt, beginnt es zu perlen. Die Produktion ist krisp, einen Tick grell, nicht zu heavy, also genau das Umfeld, um diese Riff-Orgie lodern zu lassen. Der Gesang aus Max’ Kehle führt einen alten Kritikpunkt an Lunar Shadow in eine neue Inkarnation: Auch er ist kein Robert Lowe oder Eric Wagner, die Intonation wirkt manchmal etwas gezwungen. Aber wie auch bei den Landsleuten und mit ähnlicher Wortästhetik agierenden Atlantean Kodex funktioniert das und prägt den typischen Sound von Lunar Shadow.
Gewonnen wurde dieser Soundcheck aber mit der Art, wie hier virtuose Gitarrenarbeit eine enorm immersive Atmosphäre aufbaut – eine, die bei aller mitschwingenden, doomigen Melancholie erstaunlich positiv aufs Gemüt wirkt – hört nur ‘The Ventures Of Bombadil’ mit seinem pulsierenden Lake Of Tears-Vibe. Im Gegensatz zu den vorigen Alben ist THE PALL OF A PAST WORLD eher homogen. Es gibt keine Ausreißer-Songs, keine grellen Überraschungen. Das macht es zu einem Album, das seine eigene Welt um den geneigten Hörenden aufbaut und verzaubern mag, wenn die kleinen Makel verziehen werden – wie angedeutet der etwas unorthodoxe, angestrengte Gesang sowie die zu kratzige Produktion, was mich betrifft. Und, ja, ich verzeihe und bin verzaubert, spätestens nach dem monumentalen, zwischen Space Rock und kosmischem Doom changierenden ‘The Sun Crusher’. Habe ich schon erwähnt, dass sich hinter all dem hier etwas noch Größeres verbergen könnte? Haltet die Ohren offen!
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Quelle: METAL HAMMER.de

















