Kritik zu Lustmord Lombardo THE PULSE OF ATOMS

Ältere Semester erinnern sich wohlig an die ­Industrial-Szene der frühen Achtziger, an Throbbing Gristle, SPK, Nurse With Wound und Coil. Mittendrin: Brian Williams alias Lustmord. Dass er sich mit dem umtriebigen Drummer Dave Lombardo (Slayer, Fantômas, Grip Inc, Dead Cross et cetera) zusammengetan hat, ist ein Match made in Heaven, geschmiedet von King Buzzo (2004 schon erschien das gefeierte Lustmord & Melvins-Album PIGS OF THE ROMAN EMPIRE). Das Prozedere hier: Lustmord ging mit ersten Skizzen in Vorlage, Lombardo fügte Drums und zusätzliche Synth­parts hinzu. Die düsteren Atmo­sphären auf THE PULSE OF ATOMS existieren in einer eigenen Raumzeit; sie könnten aus der Goldenen Ära des Industrial stammen oder von Über­morgen. Lustmord betont, es sei kein Rock’n’Roll, sondern der Sound von Geburt und Tod des Universums. Tatsächlich sind es große Entwürfe, ganze Klangkathedralen, rätselhaft und bedrohlich. ‘Beyond The Vast Cold Waste’ zum Beispiel beginnt mittig zu brodeln. Es vibriert, pulsiert, heizt sich auf – und er­starrt wieder. In ‘Paleomagnetic Resonance’ ist drin, was draufsteht: eine dunkel britzelnde Ur­suppe beziehungs­weise ein flammender Teerpfuhl, aus dem sich das Lombardo-Tier aufbäumt. Und immer wieder diese schleifenden, kreischenden Soundscapes, die einen subkutan anfassen, wie der Lastenaufzug in die Hölle in ‘The Abyssal Deep’: Die Tür öffnet sich, die Vista ist unaussprechlich. Schickes Album für Nostalgiker und Visionäre.

***
Du willst METAL HAMMER lesen, aber kein Abo abschließen? Kein Problem! Die aktuelle Ausgabe portofrei nach Hause bestellen: www.metal-hammer.de/heftbestellung
***



Quelle: METAL HAMMER.de