METAL HAMMER berichtet live vor Ort

Das 39. Rock Am Ring-Festival steht an! Das altehrwürdige Musik-Festival, bekanntlich eines der größten überhaupt in Deutschland, findet vom 07.06. bis zum 09.06.2024 statt und wird wieder Zehntausende Fans mit einem wilden Gemisch aus Rock, Metal, Rap und Pop begeistern.

Wir freuen uns ganz besonders auf Bands wie Avenged Sevenfold, Queens Of The Stone Age, Kreator, Kerry King, Corey Taylor und Machine Head. Wenn die alten Knochen es zulassen, pflügt die Windmühle auch bei Electric Callboy, Parkway Drive, Biohazard, Fear Factory, Thy Art Is Murder, Hatebreed, Asinhell (mit Volbeats Michael Poulsen) und Body Count den Acker um.

METAL HAMMER ist wie immer mittendrin, vom Tresen bis in den Moshpit, und versorgt euch im Live-Ticker mit frischen Eindrücken vom in diesem Jahr. Auf Instagram werden wir zudem einige Impressionen und Highlights vom Festival liefern – lasst gerne ein Abo da, um am Ball zu bleiben! Dieser Artikel wird während des Rock Am Ring-Festivals immer wieder aktualisiert. Bleibt also dran!

Freitag, 07.06.2024

Los geht’s bei Rock am Ring – nachdem das Line-up letztes Jahr in Sachen Rock und vor allem Metal arg unterbesetzt war (was sich auch mit „nur“ 70.000 Zuschauern bemerkbar machte), haben die Veranstalter dieses Jahr neben dem wie immer bunt gemischten Programm die volle Breitseite Riffs organisiert – und siehe da, der Ring steht mit 90.000 Fans voll. Die Guano Apes heizen die Menge vor der Utopia-Hauptbühne mit Covern von Eminem und Alphaville auf, doch ob ihr eigener Hit ‘Open Your Eyes’ gespielt wird, bekommen wir nicht mit, da auf der Mandora Stage echter Metal lockt – nach Fit For A King wird mit Asinhell in Sachen Death Metal nachgelegt.


Die Truppe um Volbeat-Frontmann Michael Poulsen und „Deutschlands Dauer-Death-Shouter“ Marc Grewe ist sich ihrer Sonderstellung in Sachen Härte bewusst und bedankt sich mit einem abschließenden „long live Death Metal“ für den Support der Fans. Der Volbeat-Frontmann genießt übrigens, dass ihn hier kaum jemand erkennt, und schaut sich später Kerry King aus dem Infield an (Beweisfoto folgt unten) – lustigerweise steht er zufällig nur drei Meter neben Schlagzeuger Moshael vom NRW-Death Metal-Kommando Reckless Manslaughter, bevor der Däne mit seinen Bandkumpels zum Bierstand schlendert, um sich ein kühles Blondes zu gönnen. Wir schauen derweil bei Familie Michels vorbei und preisen Josefs legendäres Rührei.

Betontod motivieren ebenfalls zum Biergenuss und bei ††† wäre es eine Schande, die Steilvorlage liegen zu lassen – wir machen drei Kreuze, als es vorbei ist. Enter Shikari klemmen wir uns ebenfalls, die coolen Dropkick Murphys machen zwar Spaß, müssen aber dem Ruf des Königs weichen. Auf dem Weg zur Mandora Stage machen wir einen Abstecher zur kleineren Orbit Stage, denn dort unterhält die Scene Queen samt Kollegen eine Menge Fans. Die Mischung aus Rosa-Pastell-Kitsch und dicken Breakdowns ist ein interessantes Konzept, und auch wenn die Bollo-Britney-Barbie kein Stimmwunder ist, ist sie doch eine sehr gute Entertainerin.

Sodann steht die Rückkehr des Königs ins Haus. Kerry King kommt, sieht (überraschenderweise gar nicht so viele Fans) und macht Kerry-King-Dinge. Nämlich auf der mit schickem Backdrop und umgedrehten LED-Kreuzen verzierten Bühne stehen und dicke Riffs auf die Meute hierniederprasseln lassen. Dabei lebt die Band nicht nur davon, sondern auch von der Rampensau-Qualität ihres Frontmanns Mark Osegueda. Die Setlist basiert mit ‘Toxic’, ‘Two Fists’ oder dem Titeltrack natürlich auf jeder Menge Songs von FROM HELL I RISE, zum Ende hin kredenzt der König seinen treuen Ergebenen aber auch noch ‘Raining Blood’ und ‘Black Magic’ – gerade das letztgenannte Stück sorgt für Gänsehaut – was auch der Qualität von Osegueda geschuldet ist, der selbst die hohen Schreie sauber hinbekommt. Stark!

Prime Time mit dem feinsten Nacken-Schredder aus dem Ruhrpott, denn dieses Jahr feiern Kreator 40 Jahre unter eben jenem Namen. Mille und Konsorten rütteln mit dem Einstieg ‘Hate über Alles’ das jüngere (und in den letzten Jahren vom arg Rap-lastigen Line-up geplagte) Ring-Publikum ordentlich durch, und auch im Verlaufe der Show weiß der gebürtige Essener das Publikum mit klassischen Animationen wie „Springen“ und „macht die größte Wall Of Death“ bei der Stange zu halten – selbst die Wall wird recht ambitioniert umgesetzt, so dass der Pit vorne musikalisch passend untermalt einem Hölleninferno gleicht. So weit, so bekannt, so gut. Strater scheitert allerdings daran, Schlagzeuger Ventor davon zu überzeugen, heimlich Blastbeats in die Songs einzustreuen. Irgendwas ist ja immer. Auf der Utopia Stage wird es zeitgleich (Wer macht diesen verdammten, sich seit Jahren rock- und metal-lastig überschneidenden Timetable?) wüstentrocken mit Queens Of The Stone Age. Deren Konzerte stehen und fallen meist mit der Laune von Josh Homme – und sieh an: Er hat Laune, und sogar gute. Gleich zu Beginn feuert er den Radio-Dauerbrenner ‘No One Knows’ aus den Stiefeln. Der Pit hat keine Chance zu ruhen, es folgt das dreckige ‘Sick, Sick, Sick’. Im Anschluss gibt es ordentlich Zeit, den Tresen anzusteuern, denn die etwas gemäßigten Nummern ‘Smooth Sailing’, ‘Paper Machete’ und ‘Emotion Sickness’ motivieren eher zum kollektiven Schmusen. Gegen Ende wird dann aber mit dem räudigen ‘Misfit Love’ nochmal aufgeräumt, ebenso mit der Pogo-Parade ‘Little Sister’ und dem schmissigen ‘Make It Wit Chu’. Letzteres mit einer kurzen, aber äußerst groovigen und vom Publikum gefeierten Bass-Einlage aus dem Achtziger-Rolling Stones-Disco-Hüftschwinger ‘Miss You’.

Bedeutungsschwanger zur Europa-Wahl geht es weiter mit der „bästen Band der Welt“. Die Ärzte eröffnen mit ‘Deine Schuld’ und hoffen, dass die Fans die Briefwahl genutzt haben, wenn sie denn am Sonntag auf dem Festival sind. Konzerte des 41-jährigen Trios (brutto gerechnet) sind immer etwas Besonderes und haben stets etwas Einmaliges. Und so ist es allein schon eine Freude, die teils ergrauten Herren Tee schlürfend (in Farin Urlaubs Fall) auf der Hauptbühne zu bestaunen, wenngleich der Kühlschrank von Rod mehr Rock’n’Roll-Esprit versprüht. Ein bisschen gemäßigter sind sie schon nach all der Zeit, aber keiner hat eine Menge so gut im Griff wie die gebürtigen beziehungsweise Wahl-Berliner. Besonders gut: Seit geraumer Zeit schließt der einzig wahre Gott (Bela-Farin-Rod) mit der rund zwanzigsekündigen Grindcore-Ulk-Nummer ‘Dauerwelle vs. Minipli’ – das darf gerne so bleiben. Blumann freut sich, Strater vermisst echte Hits wie ‘Zum Bäcker’ und ärgert sich, aufgrund des Arztbesuchs die Hardcore- und Punk-Bands Beartooth und Descendents verpasst zu haben.


Der Late-Night-Act Avenged Sevenfold wagte sich mit dem letzten Album LIFE IS BUT A DREAM… ins Progressive und spaltete Fans wie Kritiker in die Lager „Müll“ und „muss man sich definitiv mehrmals anhören“. Es mag am sonnenschwangeren Tag oder der Uhrzeit liegen, aber so richtig aus dem Quark kommen Fans wie Band nicht. Erst beim Karriere-Booster ‘Nightmare’ öffnen sich die Pits. Da Pennywise trotz all ihrer Erfahrung irgendwie schräg und rumpelig klingen, starten wir den taktischen Rückzug nach einem ereignisreichen Tag, an dem ganz klar der harte Metal gewonnen hat.

 

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Quelle: METAL HAMMER.de