Kritik zu IRON MAIDEN: BURNING AMBITION
Die Ziele, das stellt ‘Iron Maiden: Burning Ambition’ klar, waren von Beginn an groß. Nicht aus kommerziellen Gründen, sondern aus instinktivem Antrieb und – ganz nach dem Filmtitel – brennendem Ehrgeiz. Der Dokumentarfilm von Regisseur Malcolm Venville (bekannt vor allem für seine Umsetzungen historischer Stoffe wie ‘Churchill At War’) folgt dem Werdegang der Briten auf teils ausgefallene Art und Weise.
Ungewöhnlich: Die Band-Mitglieder selbst teilen ihre Erinnerungen lediglich auf der Tonspur, eingeblendet wird der Name des Sprechenden. Das wirkt nach Zweitverwertung von Interviews, die bereits für den Jubiläums-Fotoband ‘Infinite Dreams’ geführt worden waren. An Bildmaterial mangelt es zum Glück nicht: Vor allem die historischen Aufnahmen aus den Achtzigern werden Fans begeistern. Von kleinen Clubs geht es auf die größten Bühnen, dazwischen wecken Iron Maiden (so die Erzählung) Freiheitsdrang hinter dem Eisernen Vorhang (und klären dort in einem Dialog mit Kultpotenzial, dass Metal nicht aus dem Synthesizer kommen kann).
Vor der Kamera kommen die Anhänger der Eisernen zu Wort – aus der ganzen Welt, jeden Alters, jeder Berufsgruppe; darunter Schauspieler Javier Bardem und Musiker von Hirax (Katon W. de Pena), Metallica (Lars Ulrich), Anthrax (Scott Ian) und Rage Against The Machine (Tom Morello). Für den größten Lacher des Films sorgt dabei Gene Simmons’ trockener Abgesang auf Grunge. Etwas viel Zeit nimmt die (selbstredend berechtigte) Begeisterung für Eddie ein. Das Maskottchen spielt natürlich eine Rolle in der Dokumentation: In neuen, Computer-animierten Szenen abenteuert Eddie, wie man ihn kennt und liebt, von Album-Cover zu Album-Cover; mal etwas steif, mal beeindruckend animiert (etwa in der Montage vom NO PRAYER FOR THE DYING-Grab über das FEAR OF THE DARK- Geäst zum BRAVE NEW WORLD-Geist in den Wolken).
Jener Handlungsstrang rahmt den Film ein (beginnend als auf die Erde krachender Ball aus Körpern (!?), endend mit einem Konzert von Iron Maidens digitalen Avataren „somewhere in time“) – dazwischen folgen wir weitgehend chronologisch den Aufs und Abs der Band in kommerzieller wie auch menschlicher Hinsicht: selbst das größte Energiebündel ist irgendwann ausgepresst. Der Ausstieg des ermüdeten Bruce Dickinson in den Neunzigern, seine filmisch schnell aufgelöste Krebserkrankung, der bewegend inszenierte Abschied von Nicko McBrain und ein wütender Zusammenprall mit (heute würden man sagen: toxischen) Fans während der Blaze Bayley-Ära werden ehrlich aufbereitet, und auch der verstorbene Paul Di’Anno kommt zu Wort.
Allerdings: Die Anfänge und einzelne Episoden der Karriere werden für wissende Ultras etwas schnell abgefrühstückt, zudem irritiert mancher Zeitsprung (zugunsten eines thematischen roten Fadens). Ohnehin stellt sich die Frage, wen ‘Iron Maiden: Burning Ambition’ ansprechen will. Den selbst gesetzten Anspruch, auch Nichtmetaller zu begeistern, löst der Film nur bedingt ein (das gelingt dem dramaturgisch dichteren Judas Priest-Pendant ‘The Ballad Of Judas Priest’ besser). Langjährige Anhänger lernen wenig Neues, freuen sich aber über ungesehene und bewegte historische Bilder, hier als Zeitdokument für die Ewigkeit festgehalten. Auch die Chance, tiefer in die Biografie der begeisterten Fans und deren Wechselwirkung mit der Band einzutauchen, bleibt ungenutzt. Natürlich weiß Venville, was er als Regisseur tut; umso verwunderlicher sind einzelne handwerkliche Unsauberkeiten wie der inkonsistente Einsatz von Bauchbinden.
All das schmälert nicht den positiven Eindruck, den ‘Iron Maiden: Burning Ambition’ hinterlässt: ein Pflichtdokumentarfilm mit Sprüchen, Szenen und natürlich Songs für alle Lebenslagen.
Quelle: METAL HAMMER.de

















