Kritik zu Unzucht NEON DOM

Unzucht veröffentlichen ihr erstes Album mit Timm Hindorff als Sänger. Dieser steht seit 2024 am Mikro­fon, nachdem „Der Schulz“ die unzüchtige Truppe ein halbes Jahr zuvor verlassen hatte, um Dero Gois Nach­folge bei Oomph! anzutreten. Auch auf die Gefahr hin, den Unmut von Fans der ersten Stunde auf sich zu ziehen – Hindorffs etwas tiefere Stimme schmiegt sich deutlich angenehmer in den Gehör­gang. Unzucht haben sich mit dem Sängerwechsel zwar nicht neu erfunden – nach wie vor gibt es deutschsprachigen, düsteren Rock mit Industrial-Einschlag –, aber eine Art neue Beschwingt­heit wird in Songs wie der Titelnummer durchaus deutlich. Während ‘Feuerregen’ zwischen­durch ein wenig schwächelt, kommen Stücke wie ‘Katharsis’, ‘Apokalypsis’ oder ‘Chaos’ geradezu wirbelsturmartig heran­gerauscht. So eingängig ‘1000 Scherben’ ist, so wenig ist es ‘Krieger’. Textlich sind beide Lieder tiefsinnig und stark – auch trotz der ein oder anderen Plattitüde. ‘Koloss’ macht seinem Namen alle Ehre und kommt zunächst etwas schwerfällig daher, hat jedoch auch erhellende Mo­mente, die gelegentlich wieder in die Tiefe tauchen. Insofern bietet die Nummer eine schöne Abwechslung. ‘Nachtschatten 1’ ist eine wirklich gelungene Rock-Ballade, mit der die Platte hätte enden sollen. Zumindest die erste Minute von ‘Nacht­schatten 2’ zerstört die zuvor kreierte Stimmung. Kurz: Diese Nummer hätte es nicht gebraucht. Dennoch überzeugt der Neu­zugang, und das nächste Kapitel von Unzucht ist damit offiziell eingeläutet.

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Quelle: METAL HAMMER.de