Das schwarze Album war Zerreißprobe an allen Fronten

Es war kein Neubeginn aus Euphorie, sondern aus Erschöpfung. Metallica standen 1990 an einem Punkt, an dem ihr eigener Klang sie zu ersticken begann. Die Sessions im One on One Recording Studio wurden zum Brennglas für alles, was in der Band brodelte. Produzent Bob Rock, den sie wegen seiner Arbeit an DR. FEELGOOD (Mötley Crüe, 1989) engagiert hatten, erwartete eine unkomplizierte Produktion des neuen Albums METALLICA und fand sich stattdessen in einem achtmonatigen Kraftakt wieder – so intensiv, dass er später schwor, nie wieder mit der Band zu arbeiten. Im Gespräch mit musicradar berichtete er später, dass diese Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhten. Dieser Schwur wurde jedoch schnell gebrochen, da im Lauf der Zeit drei weitere Metallica-Alben (LOAD 1996, RELOAD 1997, ST. ANGER 2003) über seinen Tisch liefen. James Hetfield formulierte im Interview mit Guitarworld nüchtern, was sie während der Erschaffung des schwarzen Albums trieb: „Was wir wirklich wollten, war ein Live‑Gefühl.“

Vom Thrash‑Labyrinth zur melodischeren Wucht

Die Band löste sich von den überkomplexen Strukturen der Vergangenheit und suchte nach Songs, die nicht beweisen mussten, wie virtuos sie waren, sondern wie tief sie treffen konnten. Hammetts Riff zu ‘Enter Sandman’ wurde zum dunklen Motor des schwarzen Albums, Newsteds ‘My Friend Of Misery’ zum Beweis, dass auch die Nebenadern dieser Band pulsieren konnten. Rock drängte auf hörbaren Bass, auf Harmoniegesang, auf gemeinsames Spielen statt isolierter Perfektion. Die Band hörte sich durch 20-30 Versionen ihrer Aufnahmen, um den einen Moment zu finden, in dem alles stimmte, während im Hintergrund die Ehen von Lars Ulrich, Kirk Hammett und Jason Newsted zerbrachen – eine Schwere, die sich hörbar in die Songs legte.

Der globale Einschlag

Als METALLICA am 12. August 1991 erschien, war die Wirkung unmittelbar. 598.000 verkaufte Einheiten in der ersten Woche, Nummer eins in zehn Ländern, vier Wochen an der Spitze der Billboard 200. ‘Enter Sandman’ wurde zu einem globalen Erkennungszeichen, ‘Nothing Else Matters’ zu einer Ballade, die Menschen erreichte, die Metallica zuvor nur als Lärm empfunden hatten. In Moskau spielten sie vor bis zu 1,6 Millionen Menschen. Die New York Times beschrieb die Veranstaltung als „das erste freie Outdoor Western Rock-Konzert in der sowjetischen Geschichte“.

Die Zahlen wurden irgendwann surreal: 20 Millionen verkaufte Einheiten in den USA, 30 Millionen weltweit, doppelter Diamant-Status in den Vereinigten Staaten, 13 Mal Platin in Australien, Diamant in Kanada, zehnfach Platin in Neuseeland. Ein Album, das über 550 Wochen in den Billboard‑Charts blieb und sich zahlentechnisch neben THE DARK SIDE OF THE MOON (Pink Floyd 1973) einreihte.

Die Schattenseite des Triumphs

Der Erfolg war jedoch nie ganz glatt. Hetfield verbrannte sich 1992 in Montreal schwer, als er während ‘Fade To Black’ in eine fast vier Meter hohe Flamme lief. Jason Newsted beschrieb diesen Moment später mit einem Vergleich: Hetfields Haut war am Blubbern wie in ‘The Toxic Avenger’ (1984)“. Die Tournee ging weiter, aber die Verletzung wurde Teil der Geschichte dieses Albums, so wie der spätere Rechtsstreit mit Elektra Records Teil des Kampfes um Selbstbestimmung wurde. Metallica suchten nicht nur nach einem neuen Klang, sondern nach Kontrolle über ihr eigenes Werk.

Ein Album, das weiterarbeitet

Heute wirkt METALLICA nicht wie ein nostalgisches Monument, sondern wie ein Werk, das sich weigert, abgeschlossen zu sein. Es hallt nach, weil es den Moment festhält, in dem eine Band den Mut hatte, sich selbst infrage zu stellen. Es bleibt bestehen, weil es zeigt, wie laut Veränderung klingen kann, wenn man sie nicht fürchtet: ein Album, das die Welt erreichte, weil es zuerst die Band erschütterte.


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Quelle: METAL HAMMER.de