Kritik zu Mastodon MARROW DEEP

Dass die Band kurz vor Erscheinen ihres neunten Studioalbums, des ersten ohne Lead-Gitarrist und Co-Sänger Brent Hinds, mit der halbstündigen Kurzdokumentation ‘The Mastodon In The Room’ die vorangegangene Trennung von Hinds vor dessen Motorradunfalltod einige Monate später adressiert, muss man ihr hoch anrechnen. Schließlich wäre es eine Farce zu behaupten, der Verlust des Gründungsmitglieds hätte MARROW DEEP nicht entscheidend geprägt. So präsentiert sich das vom Converge-Gitarristen und ­modernen Metal-­Pro­duktions­profi Kurt Ballou klanglich mitbetreute Album auch mit erweiterter Trauergemeinde: Schon der wüst wütende Opener ‘Barbarians Blood’ wartet neben einem ­Kvelertak-­tischen Punk-Part-Hook mit Converge-Drummer Ben Koller auf. Aber auch Queens Of The Stone Ages Josh Homme (‘Snakes For Dinner’), Lamb Of Gods Randy Blythe (‘A Vampire’s Demeanor’), Clutchs Neil Fallon (‘The Three Fates’) und Gojiras Joe Duplantier sowie – im selben, superben Song sogar – der große Geezer Butler (‘The Vanishing’) machen hier ihre illustre Aufwartung. Wo­bei Geezers Beitrag nach Mastodons bewegen­dem Auftritt bei der Birminghamer Abschiedsvorstellung für Ozzy und die Sab Four sicher als das i-Tüpfelchen eines Mastodon-Albums gelten dürfte, welches seine Black Sabbath-DNS stärker und stolzer denn je nach außen trägt.

Genauso dürfen auf MARROW DEEP allerdings auch Nick Johnston als patent solierender neuer Lead-Gitarrist und der bereits seit 2021 live das Keyboard bedienende João Nogueira ihren offiziellen Einstand als nunmehr feste Band-Mitglieder feiern. Was sich im Falle Nogueiras vor allem in Form Pink Floyd-hafter Synthie-Flächen im Sound äußert. In jener neuen und von zahlreichen Freunden und Weg­gefährten flankierten Konstellation liefern Mastodon ohne Frage das bestmögliche Album des neu angebrochenen Band-Kapitels ab. Davon zeugen Songs wie etwa das sich dramatisch steigernde ‘In The Ruins’, das im beruhigten Mittelteil fast schon eine Peter Gabriel-artige Gesangsmelancholie evozierende ‘They Are Coming For You’ oder das hypnotische ‘Moth And Bone’. Und doch lässt sich bei all dieser triumphalen Trauerarbeit – zumindest für die Ohren des Rezensenten – das Fehlen des einstigen Banjoschülers Brent Hinds und seines von Classic- und Roots Rock sowie Psychedelia beeinflussten Charakterspiels nicht leugnen. Mag das Phantomschmerzstück ‘Your Ghost Again’ unter anderem auch Hinds’ spirituelle Erscheinung thematisieren, schafft es der Song allein nicht darüber hinwegzutrösten, dass man dessen musikalische Präsenz an der Gitarre sowie auch seinen Gesangs­beitrag hör- und spürbar vermisst.

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Quelle: METAL HAMMER.de