Destruction: Dieses Comeback-Album zeigt Durchhaltevermögen
THE ANTICHRIST erschien 2001 in einer Phase, in der Destruction längst wieder im Ring standen. Die Wiedervereinigung von Marcel „Schmier“ Schirmer und Mike Sifringer hatte die Band nach einem Jahrzehnt Übergangsphase zurück auf die Festivals, in die Schlagzeilen, in die alte Härte katapultiert. ALL HELL BREAKS LOOSE (2000) war der Neustart der alten Besetzung, doch erst THE ANTICHRIST zeigte, wie kompromisslos diese Rückkehr wirklich gemeint war: ein Album, das nicht nach Nostalgie klingt, sondern einer Band, die sich ihren Platz im Thrash‑Kosmos neu erkämpft.
Ein Album, das seine eigene Fehlpressung adelt
Schon die Veröffentlichungsgeschichte trägt den eigenwilligen Destruction‑Charakter. Die ersten Auflagen kamen mit vertauschter Tracklist in die Läden – ein klassischer Produktionsfehler, der normalerweise kommentarlos umgetauscht worden wäre. Doch die Band warnte auf ihrer eigenen Website davor, die CDs zurückzugeben – zu hoch sei der Sammlerwert. Ein seltener Moment, in dem ein Fehler nicht peinlich wirkt, sondern wie ein zusätzlicher Splitter im Holz: rau, echt, Destruction.
Thrash als Rückgrat, Studio als Waffe
Musikalisch ist THE ANTICHRIST ein Album, das sich nicht mit Feinheiten aufhält. Die elf Songs – ob in der regulären oder alternativen Reihenfolge – sind ein kompaktes Statement, getragen von Schmier, Sifringer und dem damals neuen Schlagzeuger Sven Vormann. Die Produktion von Peter Tägtgren verleiht dem Material eine schneidende Direktheit, die den Songs nicht nur Wucht, sondern auch eine gewisse Kälte gibt. Es bildet sich ein Klang, der nicht schmeichelt, sondern attackiert.
Aufbruch und Abgang
Die Veröffentlichung fiel in eine Phase, in der die Band gleichzeitig stärker und erschüttert wird. Nur Wochen nach der Veröffentlichung stieg Sven Vormann aus: der Tourneeplan sei zu intensiv, die Familie wichtiger. Marc Reign übernahm und führte Destruction direkt in die nächste Tourneerunde, gemeinsam mit Sodom und Kreator, später sogar bis nach Südamerika. Diese personellen Verschiebungen wirken rückblickend wie ein Spiegel des Albums: Dynamik, Bewegung, Druck, aber auch die ständige Gefahr des Zerreißens.
Zwischen Studio, Straße und Scherben
Die Jahre nach THE ANTICHRIST zeigen, wie fragil diese wiedergewonnene Stabilität war. Schmier verletzte sich 2003 schwer an der Hand, der Bass wurde gestohlen, Tourneen mussten abgesagt werden. Gleichzeitig veröffentlichte die Band eine Cover-Version von ‘Fuck The USA’ als Statement zum Beginn des dritten Golfkriegs. Destruction zeigten klar, wie sehr sie auch im neuen Jahrtausend dzau bereit sind, Haltung zu beziehen. Erst nach all diesen Brüchen erschien schließlich 2003 das nächste Album METAL DISCHARGE. THE ANTICHRIST bleibt damit ein Werk, das nicht nur musikalisch, sondern auch biografisch zwischen zwei Welten steht.
Ein Kapitel, das mehr öffnet als abschließt
THE ANTICHRIST ist kein Album, das eine Ära beendet. Es ist eines, das eine Tür aufstößt. Die Rückkehr war geglückt, die Band wieder sichtbar, wieder laut. Doch die Risse, die in diesen Jahren durch den Band-Kosmos liefen, machen das Album zu mehr als einem reinen Thrash‑Statement. Es ist ein Dokument des Übergangs – und gerade deshalb ein so markanter Punkt in der Geschichte einer Band, die nicht nur Zerstörung heißt, sondern immer wieder er- und überlebt.
—
Bestens informiert über dieses und alle weiteren wichtigen Themen im Metal bleibt ihr außerdem mit unserem Newsletter. Einmal pro Woche flattert euch übersichtlich sortiert ein Update ins Postfach. Einfach anmelden, damit euch auch sicher nichts entgeht.
Quelle: METAL HAMMER.de
















