Dieses Soloalbum bot Nu Metal die Stirn

Als DOWN TO EARTH im Oktober 2001 erschien, ruckelte es bereits spürbar an Ozzy Osbournes dunklem Thron: Sein Umfeld hatte sich spürbar verändert. Nu Metal dominierte die Jugendzimmer, das Ozzfest füllte jedoch zuverlässig jedes Jahr die großen Bühnen, aber Osbourne selbst hatte seit OZZMOSIS (1995) kein neues Studiomaterial vorgelegt. Dieses Album entstand deshalb nicht aus einem Bedürfnis nach Neuerfindung, sondern aus einer Mischung aus Erwartungsdruck und dem Wunsch, wieder ein klares, Riff-getragenes Statement abzugeben. Es ist ein Werk, das sich nicht anbiedert, sondern seinen Standpunkt fest vertritt und den Klang fortführt, den Ozzy Osbourne seit Jahrzehnten geprägt hat: kantige Gitarren, direkte Strukturen und eine Stimme, die selbst im Studio nach Live‑Energie klingt.

Eine seltene Besetzung

DOWN TO EARTH zeigt eine Konstellation, die es in Ozzys Karriere nur einmal gab. Robert Trujillo spielte hier seinen einzigen vollständigen Studioeinsatz, bevor er zu Metallica wechselte. Mike Bordin, seit Jahren live an Ozzys Seite, gab sein Debüt als Studiotrommler. Zakk Wylde war zwar wieder präsent, aber nicht als Songwriter – ein Bruch mit der Routine, denn viele Stücke waren bereits entstanden, bevor er 2001 zurückkehrte.

Die kreative Achse lag bei Tim Palmer, Marti Frederiksen, Mick Jones und Joe Holmes. Palmer wurde später von Ozzy als geduldiger, strukturierender Partner beschrieben, jemand, der ihn an Randy Rhoads erinnerte. Diese Aussage zeigt, wie sehr das Album von Planung und Stabilität geprägt war – nicht von spontanen Ausbrüchen.

Stadion-Metal mit Schattenseiten

DOWN TO EARTH ist kein Album, das neue Türen aufstößt. Es arbeitet mit vertrauten Mitteln und setzt sie präzise ein. Die Singles ‘Gets Me Through’ und ‘Dreamer’ brachten das Album in die internationalen Charts: Platz 4 in den USA, Platz 19 im Vereinigten Königreich, Platz 1 in Schweden.

Die härteren Stücke tragen die Handschrift eines eingespielten, druckvollen Band-Gefüges. ‘Facing Hell’ wirkt wie eine moderne Fortsetzung früher Soloklassiker, ‘That I Never Had’ und ‘Junkie’ zeigen, wie gut Trujillo und Bordin miteinander funktionieren. ‘Black Illusion’ lehnt sich in seiner düsteren Schwere an späte Sabbath‑Momente an, ohne sie zu kopieren.

Daneben stehen die balladesken Momente, die Osbourne‑Alben seit den Achtzigern begleiten. ‘Dreamer’ wurde zu einem der bekanntesten Songs seiner späteren Karriere. Ein Stück, das seine melancholische Seite zeigt, ohne ins Weiche abzurutschen.

Zwischen Vermächtnis und neuer Öffentlichkeit

DOWN TO EARTH erschien zu einem Zeitpunkt, an dem Ozzy Osbourne längst Ikone war. Das Ozzfest brachte Metal‑Bands auf große Bühnen, die Black Sabbath‑Reunion hatte 1997 sein Vermächtnis neu verankert, und die Welt stand kurz davor, ihn als Reality TV‑Figur kennenzulernen. Das Album ist deshalb weniger ein Neuanfang als ein Beweis dafür, dass Osbourne auch nach Jahren ohne Studioalbum ein Werk abliefern konnte, das seine Handschrift trägt.

Erfolg, Wirkung und ein spätes Echo

DOWN TO EARTH erreichte den Platinstatus in den USA und Kanada, Silber im Vereinigten Königreich und Gold in Dänemark. Es leitete eine Phase ein, in der Osbourne wieder präsenter wurde: das Live‑Album LIVE AT BUDOKAN (2002), der Auftritt beim Golden Jubilee der Queen, neue Band-Konstellationen – und schließlich die TV‑Ära der Osbournes.

Heute, nach Ozzys Tod im Juli 2025, wirkt DOWN TO EARTH wie ein Album, das zwischen zwei Welten steht: zwischen dem klassischen Metal‑Erbe und der medialen Ikonisierung, die folgen sollte. Es verschiebt keine Grenzen, aber es zeigt einen Künstler, der trotz Routine und Erwartungsdruck ein konzentriertes, kraftvolles Werk ablieferte.

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Quelle: METAL HAMMER.de