Ihre Alben in der Wertschau

Die komplette Wertschau der Bolt Thrower-Alben findet ihr in der METAL HAMMER-Novemberausgabe 2026, erhältlich am Kiosk oder indem ihr das Heft bequem nach Hause bestellt. Noch einfacher und günstiger geht’s im Abo!

Goldwert

Bolt Thrower War Master

WAR MASTER (1991)

Wie so oft markiert auch bei Bolt Thrower das dritte Album einen künstlerischen Scheidepunkt. WAR MASTER überführt die noch ungezügelte Gewalt von REALM OF CHAOS (SLAVES TO DARKNESS) in eine präziser arbeitende Maschinerie. Die ‘Warhammer 40.000’-Fantasie bleibt präsent, doch musikalisch löst sich die Band zunehmend von ihren Vorbildern; pfeilschnelle Passagen treten weiter in den Hintergrund, die Riffs werden kompakter, die Musik Song-dienlicher. Doch die Wucht bleibt militärisch. ‘The Shreds Of Sanity’, ‘Cenotaph’ und ‘Profane Creation’ zeigen deutlich einen verfeinerten Stil. Blastbeats spielen auf WAR MASTER zwar noch eine Rolle, rücken danach aber aus dem Fokus. Aus der anfänglichen Tobsucht wird ein langsamer und deutlich kontrollierterer Sound: jener zermalmende Lärm, für den Bolt Thrower bald berühmt sein werden.

Bolt Thrower Those Once Loyal

THOSE ONCE LOYAL (2005)

Eigentlich sollte THOSE ONCE LOYAL nur das nächste Bolt Thrower-Album werden. Und doch klingt es im Rückblick wie ein Vermächtnis. ‘At First Light’, ‘The Killchain’ und ‘Anti-Tank (Dead Armour)’ zeigen eine Band, die ihre eigene Formel bis ins Detail verfeinert hat: filigran grollende Riffs, hochpräzises Drumming, melodische Gitarren und dieser stoische Groove, der längst unverwechselbar geworden ist. Experimente braucht es nicht mehr, weil jeder Schuss trifft. Karl Willetts zufolge kamen die wenigen später entstandenen Ideen nicht über lose Riff-Skizzen hinaus – ein Hinweis darauf, dass die kreative Formel an ihre Grenzen gestoßen war. 2015 stirbt Schlagzeuger Martin Kearns, 2016 endet die Band-Geschichte endgültig. THOSE ONCE LOYAL wird nicht nur zum Schwanengesang, sondern auch zu einem weiteren Höhepunkt in der Diskografie. Mehr Konsequenz ist kaum denkbar.

Erwähnenswert

Bolt Thrower The Peel Sessions

THE PEEL SESSIONS 1988-90 (1991)

THE PEEL SESSIONS 1988-90 ist keine Fußnote, sondern eine akustische Zeitreise durch die Geburtsstunde des britischen Extreme Metal. Die drei BBC-Radioaufnahmen dokumentieren Bolt Throwers Entwicklung vom rohen Grindcore ihrer Frühphase zu jenem wuchtigen Death Metal, der auf REALM OF CHAOS (SLAVES TO DARKNESS) schließlich Gestalt annimmt. Auch die Besetzung ist noch im Fluss. Anfangs singt Alan West, bevor Karl Willetts das Mikrofon übernimmt und der Band ihre prägende Stimme gibt. Zugleich wird die Musik von Session zu Session griffiger, die Riffs erdrückender, der Groove charakteristischer. Während Napalm Death den Grindcore radikalisieren, formen Bolt Thrower aus demselben Lärmfundament etwas Eigenes. Radiolegende John Peel verschafft ihnen früh eine nationale Bühne. Doch der eigentliche Reiz liegt im Wandel: Man hört auf THE PEEL SESSIONS 1988-90 einer Band bei ihrer Selbstfindung zu.

Beklagenswert

Bolt Thrower Mercenary

MERCENARY (1998)

Nach …FOR VICTORY müssen sich Bolt Thrower bei der Veröffentlichung von MERCENARY den Vorwurf gefallen lassen, auf der Stelle zu treten. ‘Zeroed’, ‘Laid To Waste’ und vor allem ‘No Guts, No Glory’ bringen mit drückenden Riffs, marschierendem Groove und Karl Willetts’ unverkennbarem Grummeln zwar mit, was die Band groß gemacht hat, doch wo aus Reduktion einst Spannung entstand, stellt sich nun Routine ein. Die Songs greifen selten ineinander, setzen kaum neue Akzente, und auch die Produktion erreicht nicht mehr die Energie und Klarheit der Vorgänger. MERCENARY ist kein schlechtes Album – dafür hat ‘No Guts, No Glory’ schlicht zu viel Zug –, aber erstmals wirkt die kompromisslose Konsequenz im Bolt Thrower-Kanon weniger wie eine Tugend, sondern vielmehr wie eine Grenze. Die Formel ist vollendet – nun droht sie, sich zu klonen.

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Quelle: METAL HAMMER.de