Kritik zu Future Palace RESURGENCE

Future Palace haben bereits ihre Spuren hinterlassen und sich die Sporen verdient: Ob METAL HAMMER Awards oder Hellfest, Wacken Open Air oder Summer Breeze (zu beiden kehren sie diesen Sommer zurück) – wo das Trio live aufschlägt, zieht es mit neuen Anhängern weiter. Und mit ihrem vierten Album erobern die deutschen Modern-Metaller erstmals unseren Soundcheck-Thron! Sicher nicht zur Freude der True Metal-Fraktion – doch wer Ohr und Herz auch für moderne und, ja, ­poppige Metal-Klänge hat, kommt spätestens mit ­RESURGENCE nicht mehr an dieser Band vorbei.

Ein Stück weit knüpft die Truppe um Frontfrau Maria Lessing an Deadlock an, die bis vor zehn Jahren ganz vorne mit dabei waren, ohne Scheuklappen Metalcore und Pop zu vermengen; stilistisch sind sie jedoch näher an Bring Me The Horizon, pendeln zwischen Alternative- und Post Metal, Achtziger-Synthie- und Neunziger-­Electro-Klängen, Screamo und – in dieser Ausprägung neu auf diesem Album – Nu Metal. Letzterer nimmt am deutlichsten Form an in Sprechgesang und basslastigem Groove wie im Quasi-Titel-Track ‘Resurge’; die abgedroschenen Scratch-Samples wären nicht nötig gewesen, wohingegen der Synthie-Klangteppich wunderbar mit den Gitarren-Riffs verschmilzt und das Nebeneinander aus Lessings Schrei-, Sprech- und Klargesang ohnehin das wahre Pfund von Future Palace ist.

In den Strophen von ‘Disintegrate’ stemmen sich düstere, technoide Störgeräusche gegen die Melodie, während der dramatische Refrain (speziell im Zusammenspiel mit einer Rap-Passage) an Linkin Park erinnert. Perfekt geht die Stilmischung in ‘Ebb And Flow’ auf, wo sich melancholische Harmonien zu betörenden Eurodance-Keyboards öffnen, sowie im experimentellen ­‘Supernova’ mit treibenden elektronischen Beats und gehetzten Shouts, die an die New Wave-Königin Anne Clark erinnern und von einem traumwandlerischen Refrain kontrastiert werden. Zur Wahrheit gehört auch, dass dem Album im Mittelteil kurz die Luft auszugehen droht.

Hier und da hätten die Berliner mehr Härte- und Geschwindigkeitsausbrüche wagen dürfen; doch selbst in schwächeren Momenten retten große Melodien vor dem kompletten Stimmungsabfall. So überzeugen Future Palace hinten­raus mit neuen Drehs, verquicken in ‘Nightfall’ gedrosselten Screamo, Post Hardcore und Deathcore und bewerben sich mit dem cineastischen ­‘Cyclone’ für große Bühnen. ­RESURGENCE ist nicht perfekt, schillert aber durch emotionale Tiefe, starken Gesang und mutige Stilexperimente.

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Quelle: METAL HAMMER.de