Mastodon erklären Trennung von Gitarrist Brent Hinds (✝︎)

Bei Mastodon scheinen die Tiefschläge irgendwie nicht aufzuhören. Wenige Monate, nachdem die Prog-Sludger aus Atlanta eine unangenehme Trennung von Brent Hinds vollzogen hatten, verunglückte der Gitarrist bekanntlich tödlich bei einem Motorradunfall. Nun nehmen die drei Kernmitglieder Schlagzeuger Brann Dailor, Basstist Troy Sanders und Gitarrist Bill Kelliher zum ersten Mal ausführlich Stellung zu der ganzen Angelegenheit.

In einem Video, welches sie ‘The Mastodon In The Room’ genannt haben (siehe unten), erinnern sich die Musiker zunächst an ihren einstigen Weggefährten. Dabei wird schnell klar: Hinds war kaum zu bändigen. Der begnadete Saitenstreichler, der bei den Metallern für die Progressive- und Country-Noten sorgte, liebte es seit jeher, das Leben zu genießen. Soll heißen: Brent war dem Feiern — inklusive Spaßgetränken — alles andere als abgeneigt.

Kontrollverlust

Wenn Dailor, Sanders und Kelliher zum Beispiel davon schwärmen, wie Hinds bei den Arbeiten zum dritten Studioalbum BLOOD MOUNTAIN (2006) anfing, bei Songwriting richtig zur kreativen Höchstform aufzulaufen, kommen die drei Herren nicht umhin, kurz danach die Geschichte vom Zwischenfall bei dem MTV Video Music Awards 2007 auszupacken. Nachdem Mastodon und Queens Of The Stone Age-Mastermind Josh Homme bei der Zeremonie ihren gemeinsamen Track ‘Colony Of Birchmen’ gezockt hatten, schaute Brent mal wieder zu tief ins Glas — und konnte sich nicht mehr kontrollieren.

„Er rannte in diesem Casino in Las Vegas herum — und ging letztlich der falschen Person auf den Sack“, fasst Brann zusammen. „In seinen oft vorkommenden Trunkenheitszuständen übertrat er gewohnheitsmäßig Grenzen. So überschritt er bei jemanden eine Grenze. Derjenige sagte: ‚Lass das!’ Doch Brent machte es trotzdem — so bekam er einen Faustschlag ab, wodurch er umfiel und sich den Kopf anschlug, was den meisten Schaden anrichtete.“ Hinds trug schwere Kopfverletzungen davon, lag lange im Koma, schlug sich mit heftigem Schwindel herum und brauchte etwas, um wieder auf die Beine zu kommen.

Unterschiedliche Flügel

Der Effekt war zum Glück, dass Brent seine Erfahrungen mit seiner Musik verarbeitet, wodurch er zum nächsten Mastodon-Longplayer CRACK THE SKYE (2009) zahlreiche kompositorische Beiträge leistete und das Werk entscheidend prägte. Bei der anschließenden Tournee — welche für den Lockenkopf aufgrund vieler komplexer Gitarren-Parts anstrengend wurde — fing Hinds schließlich ab, live immer weniger bei der Sache zu sein. „Er möchte den Druck daran nicht — jetzt wurde es Arbeit“, analysiert Dailor. Bei Fehlern lenkte Brent von sich ab und beschuldigte zum Beispiel den Monitormischer. Brann merkt an: „Da begann ihm das Party machen ein bisschen zu viel zu werden.“

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In der Phase von THE HUNTER (2011) führte das dazu, dass Dailor, Sanders und Kelliher oftmals ohne Hinds probten, welcher beachtliche Teile des Tages noch seinen nächtlichen Rausch ausschlafen musste. Diese Lagerbildung hielt leider seitdem an, wobei der eine Block den anderen unzählige Male anstachelte und anflehte, doch wieder motiviert bei den eigentlichen Kernaktivitäten von Mastodon (vor allem, was Songwriting und Proben angeht) mitzumischen. Doch Hinds hatte laut Brann, Troy und Bill leider nur Feiern im Sinn.

Nichts mehr im Köcher

„Ich konnte sehen, wie er sich abkoppelte, und wie für ihn der Enthusiasmus und die allgemeine Kameradschaft in einem Quartett abnahmen“, beschreibt Sanders seine Beobachtungen. Das Schlimme: Auftritte wurden zum Glücksspiel. „Wir drei dachten uns: ‚Das ist furchtbar! Wir müssen dem ein Ende bereiten! Aber wir können es nicht, weil wir doch auch immer wieder diese fantastischen Konzerte spielen dürfen, was zu unfassbarer Schönheit führt. Wir müssen weitermachen, die Dinge werden sich verändern.‘“ Kelliher fügt an: „Wenn es großartig war, war es großartig. Aber wenn es richtig schrecklich war, war es echt verdammt schrecklich!“ 

Die drei fürchteten, dass es irgendwann mit der Band bergab gehen würde, sollte das so weitergehen. Ihnen wurde letztendlich klar: Brent würde sich niemals verändern. Auftritte in betrunkenem Zustand waren keine Seltenheit. „Wir drei waren erschöpft davon, all diese Liebe auf jemanden zu werfen, der schlicht und einfach nicht zuhörte, und dem es egal war“, blickt Troy zurück. „An einem bestimmten Punkt fragten wir uns: ‚Was können wir noch machen? Wir haben alles ausgeschöpft. Werden wir uns weiter ins Bein schießen? Oder werden wir weiter die Welt erobern?‘“

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Mastodon wollten den umwerfenden Musiker Brents Hinds zurück, doch der Lebemann zeigte ihnen ein ums andere Mal, dass diese Person ohne irgendeine Art von dramatischer Veränderung nicht zurückkehren würde. Die Hoffnung von Troy, Bill und Brann: Wenn sie Brent vor die Tür setzen, wird das hoffentlich ein Tiefpunkt für ihn sein, der ihn zur Vernunft bringt. „Ich persönlich wüsste, dass wir uns irgendwann wieder umarmen und versöhnen werden“, sinniert Sanders. „Ich lag falsch.“


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Quelle: METAL HAMMER.de