Slash wird 61 – nachdem sein Leben eigentlich fast vorbei war

Er wirkt heute gelassener, fast abgeklärt, aber in seinem Blick liegt immer noch dieses Funkeln, das bis heute ganze Stadien elektrisiert. Guns N’ Roses-Gitarrist Slash feiert seinen 61. Geburtstag, und während andere Rock-Stars in diesem Alter ihre Legenden unverändert weiterführen, erzählt er von Herzschrittmachern und Nächten, die früher im Rausch endeten und heute mit stillem Wasser. „Seit neun Jahren habe ich keinen Drink und keinen Stoff mehr angerührt“, sagte er in einem Interview mit dem Spiegel bereits 2015, und bis heute hat er seine Reise der Nüchternheit nicht unterbrochen. Anlässlich seines Geburtstags blicken wir gemeinsam zurück auf sein bisheriges Leben und Schaffen.
Slashs Weg von England ins „Land of the free“
Slash wurde am 23. Juli 1965 in Hampstead geboren, als Saul Hudson, Sohn einer afroamerikanischen Kostüm-Designerin und eines englischen Künstlers. Die frühen Jahre in Stoke-on-Trent waren grau, die Welt in Kalifornien dagegen „glücklich und bunt“, wie er sich erinnerte. Der Umzug in den Laurel Canyon öffnete ihm die Tore in eine magische Künstlerkolonie, in der Frank Zappa, Joni Mitchell, Neil Young oder Glenn Frey ein- und ausgingen. „Man konnte die Kreativität förmlich riechen“, sagt er, und genau dort begann er die Atmosphäre, die ihn prägte, zu erleben: frei, ungezwungen, ohne Konventionen, getragen von einem freien Geist, der später in seinen Gitarrenläufen weiterlebte.
Die Geburt eines Gitarristen und der Weg zu Guns N’ Roses
Slash war ein Einzelgänger, ein Tagträumer, der Comics zeichnete und die Schule eher wegen der Mädchen besuchte. Der Moment, in dem Slash begriff, dass die Gitarre sein Leben werden würde, kam im Sommer 1979, als Steven Adler ALIVE II (Kiss) aufdrehte und auf einer billigen Sears-Gitarre dazu spielte. Die Wucht dieser Szene schob ihn in die Fairfax Music School, wo Eric Clapton, die Rolling Stones und Jimi Hendrix seine musikalische Sprache formten. In Los Angeles war die Rock-Szene damals ein brodelndes Netzwerk aus kleinen Clubs, Proberäumen und Bands, die ständig auseinanderfielen und sich neu formierten.
Hollywood Rose war eine davon: Axl Rose und Izzy Stradlin bildeten den Kern, um den herum Musiker kamen und gingen. Slash sah die Band im Gazzarri’s Club, beeindruckt von Axls Stimme und Izzy Stradlins Präsenz. Als er sich später auf eine anonyme Anzeige als Gitarrist bewarb, landete er genau bei ihnen. Die Szene war chaotisch, die Besetzungen wechselten, aber schließlich entstand aus der Asche vorheriger Projekte 1985 schließlich Guns N’ Roses. Die folgende „Use Your Illusion“-Tour wurde direkt ein massives Vorhaben, die frische Band spielte über 300 Konzerte zwischen 1991 und 1993. Danach nahm Slash die US‑Staatsbürgerschaft an.
Exzesse, Absturz und der Kampf ums Überleben
Slash spricht offen über die dunklen Jahre. „Besonders schlimm war es immer nach dem Ende einer Tournee. Ich saß zu Hause und wusste nichts mit mir anzufangen.“ Die Routine fehlte, die Leere fraß sich durch die Tage, und harte Drogen wurden zum Ersatz für Struktur. Der Absturz kam im Jahr 2000: eine Alkoholvergiftung, eine akute Herzerkrankung, sechs Wochen bis sechs Monate prognostizierte Restlebenszeit, ein Herzschrittmacher mit 35. „Ich wäre fast draufgegangen.“ Die Diagnose war der Wendepunkt. „Ich fand es noch zu früh, mich von dieser Welt zu verabschieden.“ Seit mittlerweile zwanzig Jahren ist er nüchtern, sagt er heute, und die Klarheit steht ihm gut.
Velvet Revolver, Solokarriere und die Rückkehr
Nach dem Bruch mit Guns N’ Roses 1996 gründete Slash seine neue Band Slash’s Snakepit, später Slash’s Blues Ball, und schließlich Velvet Revolver – ein Zusammenschluss alter Weggefährten und Scott Weiland. Diese Band brachte ihn zurück auf die großen Bühnen, während seine Solokarriere ab 2010 mit prominenten Gästen Fahrt aufnahm. Myles Kennedy wurde zur festen Stimme seiner Alben, die überragenden Chart-Platzierungen sprechen für sich.
2016 kehrte Slash gemeinsam mit Duff McKagan zu Guns N’ Roses zurück. Die Feindseligkeiten sind verflogen, die Magie der frühen Jahre bleibt jedoch ein Mythos, den er nicht kommentiert. „Egal was ich sage, es wird sofort interpretiert – meist falsch.“
Ein Leben zwischen Legende und Menschlichkeit
Slashs Privatleben bleibt weitgehend verborgen. Zwei Ehen, zwei Söhne, heute lebt er mit Meegan Hodges in San Fernando. Seine vielen Haustierschlangen gab er bei der Geburt seines Sohnes an einen Zoo ab. Die Musik blieb der rote Faden, die Gitarre sein Werkzeug, die Les Paul sein Markenzeichen. Die Marke Marshall widmete ihm als erstem Künstler eine Verstärkerserie, der AFD100 wurde zur Hommage an APPETITE FOR DESTRUCTION (1987).
Slash ist eine Figur, die größer wurde als die Bühne, die ihn trug. Ein Kind des Laurel Canyon, ein Überlebender der Exzesse, ein Musiker, der sich immer wieder verlor und neu erfand. Seine Geschichte ist nicht nur Rock’n’Roll, sie ist ein Stück Kulturgeschichte, die sich durch seine Soli zieht. Und an seinem Geburtstag zeigt sich einmal mehr: Dieser Mann ist nicht eine Kunstfigur, sondern ein Mensch, der die Kurve kriegte – und dessen Gitarrenton immer noch klingt wie ein Versprechen. Herzlichen Glückwunsch, Slash!
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Quelle: METAL HAMMER.de
















