So eroberte SLIPPERY WHEN WET blitzschnell die Welt

Im August 1986 lag etwas in der Luft, das sich nicht sofort greifen ließ, aber überall zu hören war: aus Autoradios, aus Kellern, aus Clubs, aus den ersten MTV‑Rotationen. SLIPPERY WHEN WET war nicht einfach ein generisches neues Album, sondern ein Klang, der sich wie ein Funke über die Rock-Szene legte und Bon Jovi aus der zweiten Reihe nach ganz vorne katapultierte. Die Band hatte zwei Alben hinter sich, viel Tourneeerfahrung, einige Achtungserfolge – doch erst jetzt traf alles zusammen: der neue Produzent, der neue Songwriting‑Partner, der neue Fokus. Und plötzlich standen sie an der Spitze der Charts, acht Wochen lang, mit Songs, die sich in Rekordzeit zu Hymnen verwandelten.

Wie Bon Jovi ihren Klang neu erfanden

Der Weg zu diesem Album begann deutlich früher. Nachdem Bon Jovi erste Shows gespielt und lokale Bühnen eröffnet hatten, wurden sie von Derek Shulman entdeckt, der sie für Mercury Records verpflichtete. Der Band-Name war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gesetzt. Pamela Maher, eine Mitarbeiterin von Doc McGhee, schlug „Bon Jovi“ vor – eine Anlehnung an zweisilbige Namen wie Van Halen. Auch wenn sie ursprünglich nicht begeistert waren, veröffentlichten sie 1984 ihr Debüt unter diesem Namen, das mit ‘Runaway’ erstmals die Top 40 erreichte.

Der Nachfolger 7800° FAHRENHEIT brachte 1985 zwar Aufmerksamkeit, aber nicht den erhofften Durchbruch. Die Band eröffnete für die Scorpions und Kiss, doch der große Moment blieb aus. Genau hier begann die Neuausrichtung: Bon Jovi holten Desmond Child ins Boot, schrieben rund 30 Songs und testeten sie vor Teenagern aus New Jersey und New York. Bruce Fairbairn wurde Produzent, Bob Rock übernahm das Mixing. Die Band zog nach Vancouver und arbeitete sechs Monate lang an einem Album, das ihren Klang neu definieren sollte.

Die Entstehung eines Klassikers

Der Titel SLIPPERY WHEN WET entstand nach einem Besuch im Stripclub No.5 Orange in Vancouver. Der Albumtitel war damit gesetzt, die ursprüngliche Cover-Idee mit einer Frau im nassen T‑Shirt wurde jedoch verworfen, weil die Plattenfirma eine Sperrung durch große Händler befürchtete.

Musikalisch war das Album eine Mischung aus hymnischen Refrains, radiotauglichen Hooks und einem Klang, der die Härte des Metal mit der Eingängigkeit des Pop verband. ‘You Give Love A Bad Name’ und ‘Livin’ On A Prayer’ erreichten beide Platz eins der Billboard Hot 100. ‘Wanted Dead Or Alive’ wurde zur dritten Top 10‑Single: eine außergewöhnliche Leistung für diese Zeit.

Der Moment, in dem Bon Jovi zu Super-Stars wurden

Als SLIPPERY WHEN WET erschien, waren Bon Jovi noch Supportact für 38 Special. Doch das änderte sich rasend schnell. Ende 1986 spielte die Band bereits monatelang eigene Arena‑Headlinershows in den USA. 1987 standen sie beim Monsters Of Rock in England ganz oben auf dem Line‑up, unterstützt von Dee Snider, Bruce Dickinson und Paul Stanley. Bis Ende des Jahres hatten Bon Jovi 130 Shows gespielt und 28,4 Millionen Dollar reingeholt. SLIPPERY WHEN WET verkaufte sich weltweit millionenfach, erreichte 18 Mal Platin in den USA und wurde zu einem der meistverkauften Alben der Rock-Geschichte.

Das Vermächtnis

Heute gilt SLIPPERY WHEN WET als ein Werk, das die Ästhetik der Achtziger prägte und Bon Jovi zu globalen Stars machte. Es ist ein Album, das die Balance zwischen Härte und Eingängigkeit perfektionierte und Lieder hervorbrachte, die Jahrzehnte später noch immer ganze Arenen zum Mitsingen bringen. Ein Wendepunkt, der nicht nur die Karriere der Band veränderte, sondern auch die Richtung eines ganzen Genres.


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Quelle: METAL HAMMER.de