Tarja Turunen (ex-Nightwish) bleibt nicht still!

An jedem 17. August taucht Tarja Turunen für einen Moment aus der langen Linie ihrer Projekte, Tourneen und Veröffentlichungen heraus und steht als Person und Geburtstagskind im Mittelpunkt. Ihre Stimme fiel früh auf, als sie mit drei Jahren das finnische Volkslied ‘Enkeli Taivaan’ sang und ihr Lehrer Plamen Dimov später in der Biografie ‘Once Upon A Nightwish. The Official Biography 1996-2006’ festhielt: „Wenn man Tarja nur eine Note gegeben hat, hast sie die sofort getroffen.“. Aus diesem frühen Talent entstand eine Karriere, die klassische Präzision und metallische Wucht miteinander verband und ein Genre formte, das ohne sie heute anders klingen würde.

Wie aus einer Schulfreundschaft ein globales Phänomen wurde

1996 lud Tuomas Holopainen seine ehemalige Klassenkameradin zu einem neuen Projekt ein. Was als akustische Stimmungsmusik begann, verwandelte sich im Studio schlagartig: Holopainen erkannte, dass Tarjas Stimme „viel mächtiger“ geworden war, wie in der Biografie festgehalten wurde. Der Wechsel zur E‑Gitarre war nur der erste Schritt – bald war klar, dass diese Stimme nach einem massiveren Klang verlangte. Nightwish waren geboren, und mit ihnen ein Stil, der später als Symphonic Metal die Welt eroberte.

Der Aufstieg von Tarja Turunen

Schon das Debüt ANGELS FALL FIRST (1997) traf einen Nerv der Zeit, doch Nachfolger OCEANBORN (1998) machte Tarjas klassisches Training unüberhörbar. In ‘Passion And The Opera’ setzte sie eine staccato‑Coloratura, die Kritiker wie zum Beispiel Gianni Della Ciopa an Mozarts ‘Königin der Nacht’ erinnerte. Gleichzeitig erweiterte sie ihre Stimme nach unten, etwa bei ‘Over The Hills And Far Away’, das weit unter dem üblichen Sopranbereich lag – eine Herausforderung, die sie mit Humor nahm. Beim ersten Versuch, sich während einer Probe für das Stück aufzuwärmen, brach die ganze Band in Gelächter aus.

Der Bruch, der die Symphonic Metal-Welt erschütterte

Nach Jahren intensiver Arbeit zerbrach die Zusammenarbeit zwischen Tarja Turunen und Nightwish 2005 öffentlich und schmerzhaft. Die Band warf ihr in einem offenen Brief auf der eigenen Website vor: „Business, Geld und Dinge, die nichts mit Gefühlen zu tun haben, sind viel wichtiger geworden.“. Ihr Mann Marcelo Cabuli widersprach später deutlich und erklärte, dass alle Mitglieder vertraglich festgelegte 20‑Prozent‑Anteile erhielten und Tarja sich nie um zusätzliche Kompensation für ihre Rolle als Songwriterin bemüht habe. 

Künstlerin mit unerschöpflicher Spannweite

Tarja reagierte nicht mit Rückzug, sondern einem Solowerk, das ihre ganze Bandbreite zeigte. MY WINTER STORM (2007) verband metallische Härte mit klassischer Weite, und sie betonte selbst in einem Interview mit Kerrang!: „Noch nie habe ich so tief gesungen wie in einem Lied des neuen Albums. Es gibt dort auch einen Song, in dem ich meine höchsten Noten überhaupt gesungen habe!“ Ihre Stimme, inzwischen über dreieinhalb Oktaven reichend, wurde zum Markenzeichen einer Künstlerin, die sich nicht auf ein Genre festlegen lässt.

Eine schwarzbunte Karriere

Ob klassische Alben wie AVE MARIA – EN PLEIN AIR (2015), die dunkle Weihnachtswelt von FROM SPIRITS AND GHOSTS (SCORE FOR A DARK CHRISTMAS) (2018) oder die metallische Direktheit von IN THE RAW (2019) – Tarja Turunen bleibt eine Künstlerin, die sich nicht wiederholt. Ihr jüngstes Werk FRISSON NOIR (2026) markiert den aktuellen Punkt einer Laufbahn, die sich über Jahrzehnte hinweg durch Mut, Wandel und eine Stimme definiert, die selbst im größten Lärm unverwechselbar bleibt.


Bestens informiert über dieses und alle weiteren wichtigen Themen im Metal bleibt ihr außerdem mit unserem Newsletter. Einmal pro Woche flattert euch übersichtlich sortiert ein Update ins Postfach. Einfach anmelden, damit euch auch sicher nichts entgeht.



Quelle: METAL HAMMER.de