Kritik zu MOUSE: P.I. FOR HIRE

Als Anfang 2024 die Urheberrechte für eine frühe, aus dem Disney-Kurzfilm ‘Steamboat Willie’ (1928) bekannte Version von Micky Maus ausliefen, schien ein kultureller Bruch greifbar: Die Kultfigur konnte fortan frei verwendet werden, man imaginierte eifrig Horrorfilme sowie andere obskure Genres, die weit entfernt vom Image der familienfreundlichen Maus lagen. Dass Micky Maus bald darauf als Inspiration für einen First Person Shooter herhalten würde, ahnte damals vermutlich kaum jemand. Mit ‘Mouse: P.I. For Hire’ bedienen sich Fumi Games zwar nicht direkt am Disney-Erbe, wohl aber am klassischen Zeichenstil der frühen Jahre des Filmstudios. Handgefertigte 2D-Modelle treffen auf eine dreidimensionale Welt, deren Zusammenspiel nicht immer vollständig aufgeht. Das fällt jedoch kaum ins Gewicht, denn das mafiöse Untergrundspektakel versteht es, mit reichlich Liebe zum Detail eine dichte Atmosphäre zu entfalten. Schauplatz ist die fiktive Stadt Mouseburg in den Dreißiger Jahren, in welcher der Protagonist, Privatdetektiv Jack Pepper, einen Vermisstenfall aufzuklären versucht – alles stilgerecht inszeniert in schwarz-weißer Film Noir-Optik.

Doch während die Kriminalaspekte überwiegend blass und wenig fordernd bleiben, erweisen sich die Schusswechsel – von denen es glücklicherweise zahlreiche in ‘Mouse: P.I. For Hire’ gibt – als eigentliche Höhepunkte, die zudem mit reichlich überzeichneter Cartoon-Gewalt in Szene gesetzt werden. Wem das noch nicht retro genug ist, kann in den Einstellungen nachjustieren: Auf Wunsch legt sich ein Schleier alter Filmprojektoren über das Bild, während der Ton so moduliert wird, als entstamme er einem Grammophon. Vor allem die Musik überzeugt dabei: Der von einer Big Band eingespielte Jazz-Soundtrack trägt das Geschehen mit souveräner Stilsicherheit. Damit gelingt ‘Mouse: P.I. For Hire’ nicht nur optisch, sondern auch akustisch der Sprung in eine längst vergangene Zeit. Mit viel Augenzwinkern und etlichen Klischees.



Quelle: METAL HAMMER.de