Kritik zu Evergrey ARCHITECTS OF A NEW WEAVE

Es ist nicht, dass Evergrey nach über 30 Jahren nicht wissen, was sie tun. Es ist, dass ihnen stets das fehlte, was Bands wie Katatonia oder Dark Tranquillity in ihren jeweiligen Genres hatten: echte Konsequenz. ­ARCHITECTS OF A NEW WEAVE ist, kurz gesagt, überfrachtet und unhomogen. Die kantig-harten Gitarren stechen fast störend hinaus, die Synthesizer kleistern alle Lücken mit dicklichem Bombast zu, die Drums wirken leblos, und Sänger Tom S. Englund kann sich gegen diesen Brei nur sehr selten wirklich behaupten. Evergrey können sich auch 2026 nicht entscheiden, ob sie supereingängigen Düster-Metal oder doch eleganten Prog machen wollen – sie versuchen und verfehlen beides. Dafür gibt es von allem zu viel: Zu viel Orchestrierung, zu viele Chöre, zu viele Soli, aber zu wenig ­Substanz. Und irgendwie schaffen es Evergrey dadurch, eine US-amerikanische Pop-Rock-Platte in eine Dark Metal-Verkleidung zu hüllen. Aber ein dunkler Mantel und ein wenig Kajal um die ­Augen reichen nicht aus, um das im innersten Kern kitschige und melodramatische Song-Material zu maskieren. Man sagt ja immer, dass ein guter Song auch auf der Akustikklampfe oder dem Piano funktionieren muss. Vielleicht hätten die Schweden das Album ein paar Mal nur auf diese Weise durchspielen müssen. Dann hätten sie sehr wahrscheinlich selbst gemerkt, dass das Fundament
ihrer Stücke unterdurchschnittlicher Melodrama­kruscht mit hoher Pathosnote ist. Das große Finale ‘The Prophecy’ wird dadurch zur Zuckerguss-Goth-Revue mit Nickelback-Gestus.

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Quelle: METAL HAMMER.de