Ich hätte Nightwish das Leben zur Hölle machen sollen

Bei Musikern, die früher in einer berühmten Band gespielt oder gesungen haben, wagen die Interviewer gerne einen Rückblick auf vergangene Tage. So ist es auch in einem kürzlich geführten Gespräch mit der einstigen Nightwish-Frontfrau Tarja Turunen geschehen, das beim britischen Metal Hammer zu lesen ist. Dabei sinnierte die Sopranistin unter anderem über ihren Rauswurf von den Symphonic-Metallern im Jahr 2005, mit dem sie retrospektiv vermutlich anders umgegangen wäre, als sie es damals gemacht hat.

Andere Strategie

„Es ist sehr traurig, wie die Dinge mit Nightwish letztendlich ausgegangen sind“, befindet Tarja. „Aber wenn ich etwas anders gemacht hätte, dann hätte ich ihnen wahrscheinlich das Leben zur Hölle machen sollen. Ich hatte all meine Rechte, es gab Verträge, und hätte ich meine Rechte durchgesetzt, wären sie für lange Zeit tief in der Scheiße gesessen. Doch ich habe es nicht getan. Ich habe mich einfach dazu entschlossen, einen Schlussstrich zu ziehen und zu gehen.“

Nach dem Ende der Nightwish-Tournee 2005 überreichte Bandboss Tuomas Holopainen einen Brief an Tarja, in dem die Gruppe ihr die Trennung verkündete, und welchen die Formation überdies auf ihrer Website postete. Darin stand unter anderem: „Für dich sind leider das Geschäft, Geld und Dinge, die nichts mit Gefühlen zu tun haben, viel wichtiger geworden.“

Schwere Zeit

Über die Zeit nach ihrer Demission von Nightwish berichtet Tarja noch im Interview beim britischen Metal Hammer: „Danach folgte, dass sie ihren echt tollen Plan dazu umsetzten, wie sie mich öffentlich zerstören wollten. Damit hatte ich nie gerechnet. Das war scheußlich. Es war eine wahnsinnige Zeit — und in einem kleinen Land wie Finnland war mein Gesicht etwa drei Wochen lang auf den Titelseiten der Boulevard-Presse zu sehen. Ich verließ meine Heimat, ich musste einfach, ich ging nach Buenos Aires.

Es war hart, denn es betraf so viel mehr Menschen als nur mich. Es traf meine Familie, meine Freunde. Alle waren am Boden zerstört. Es hat lange gedauert, bis ich wieder Vertrauen zu Menschen fassen konnte. Aber zum Glück habe ich wunderbare Beziehungen und eine langjährige Ehe mit meinem Mann. Meine Familie und meine Freunde waren in dieser sehr schweren Zeit für mich da.“

Zuletzt merkte ein Journalist vom spanischen Metal Hammer an, dass Turunen, wenn sie heutzutage auf Tour unterwegs ist, regelrecht glücklich rüberkommt. „Ja, das stimmt“, bestätigte Tarja. „Genau so war es auch, als ich mit Marco [Ex-Nightwish-Bassist Hietala] unterwegs war. Wir hatten gute und schlechte Tage und waren füreinander da. Für mich ist es sehr wichtig, dieses Glück zu spüren, denn ich wäre unter keinen Umständen bereit, zu der Situation zurückzukehren, in der ich mich damals bei Nightwish befand. Es war so elendig. Es war keine glückliche Zeit. Warum auch? Man macht Musik – das sollte doch glücklich machen. Ich möchte, dass die Leute zu meinen Shows kommen und glücklich nach Hause gehen. Ja, diese Energie zu haben, ist absolut wichtig.“


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Quelle: METAL HAMMER.de