„Ich fühlte mich in der schwarzen Szene aufgenommen.“

Von ‘Goldener Reiter’ zu ‘Die Flut’: Joachim Witts Karriere ist von musikalischen Neuanfängen geprägt. Seinen Weg zu einem düsteren Sound beschreibt der Musiker allerdings nicht als gezielte Hinwendung zu einer bestimmten Szene. Im Gespräch mit WELT und ROLLING STONE für das Format „MusikerGrillen“ erklärt er, dass die Verbindung zur schwarzen Szene vielmehr durch die Reaktion auf seine Musik entstanden sei.

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„Ich habe mich damit nicht identifiziert, das wäre jetzt falsch“, sagt Witt rückblickend. Stattdessen hätten die Anhänger der schwarzen Szene seine Musik plötzlich für sich entdeckt. „So herum ist es passiert. Ich fühlte mich aufgenommen in dieser Gemeinde.“

Auf der Suche nach einem neuen Sound

Der musikalischen Neuerfindung in den Neunziger Jahren ging eine längere Phase der Unzufriedenheit voraus. „Vier Jahre lang war ich wirklich so unzufrieden“, erinnert sich Witt. Er habe nach einem neuen Sound gesucht. Persönliche Erfahrungen und der Zeitgeist hätten diese Entwicklung beeinflusst.

Einen vollständigen Bruch mit seinem früheren Schaffen sieht er darin nicht. Auch seine Musik zu Beginn der Achtziger Jahre sei keine reine Unterhaltung gewesen: „Da musste man schon besser hinhören.“ Die dunkleren Seiten hätten sich in den Neunzigern weiterentwickelt.

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Bis heute folgt Witt beim Schreiben und Arrangieren vor allem seinem eigenen Empfinden. „Ich sitze da und komponiere und habe einfach Spaß am Arrangement. Ich suche mir die Details zusammen und komponiere so, wie es mir gerade gut gefällt“, sagt er. „Es ist das, was ich fühle. So mache ich das.“

„Meine Musik ist immer ein Therapieangebot.“

Wie persönlich seine Songs sind, macht Witt auch an ihrer Funktion für ihn selbst deutlich. „Ich schreibe meine Texte, um mich selber erst mal zu therapieren. Deshalb ist meine Musik auch immer ein Therapieangebot an meine Hörer.“

Diesen Gedanken greift er mit seiner „Lux Aeterna“-Tour auf, für die er Kirchen als Auftrittsorte gewählt hat. Dabei gehe es ihm weniger um Religion als um die besondere Atmosphäre der Räume. „Du denkst wirklich, du bist in einer anderen Welt, wenn du in der Kirche sitzt. Und du kommst so runter.“

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Für die Konzerte habe er gezielt Stücke aus seiner Laufbahn ausgewählt, die dieses Gefühl unterstützen. Die Kirchen versteht er dabei als „meditativen Raum“.

Eine besondere Verbindung empfindet Witt außerdem zum ostdeutschen Publikum. Konzertreisen nach der Wiedervereinigung hätten ihn in einer wirtschaftlich schwierigen Phase „über Wasser gehalten“. In Erinnerung geblieben seien ihm vor allem „diese Herzlichkeit der Leute, dieser Respekt und die Empathie“.

Die Verbundenheit besteht für ihn bis heute. Über die Resonanz auf seine Konzerte im Osten sagt Witt: „Die Menschen verstehen mich, die Menschen verstehen meine Texte.“

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Tourdaten

  • 7.11.2026 Dresden, Lukaskirche (ausverkauft)
  • 20.11.2026 Hamburg, Kulturkirche Altona
  • 21.11.2026 Berlin, Passionskirche
  • 27. 11.2026 Magdeburg, Johanniskirche
  • 05.12.2026 Stralsund, Kulturkirche St. Jakobi
  • 11.12.2026 Leipzig, Philippuskirche (ausverkauft)
  • 12. 12.2026 Bochum, Christuskirche

Folge 3 von „MusikerGrillen“ mit Joachim Witt läuft am Samstag, den 17. Oktober um 15 Uhr auf WELT TV.

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Quelle: METAL HAMMER.de