Ein Leben im roten Bereich

Randall Desmond Archibald, geboren am 21. Februar 1960, gestorben vor genau acht Jahren und besser bekannt als Randy Rampage, war Bassist, Sänger, Gründungsmitglied von D.O.A. und kurz Frontmann von Annihilator. Ein Kanadier, der Hardcore und Thrash nicht nur spielte, sondern lebte – mit einer Intensität, die ihn früh zu einer Figur machte, die man nicht vergisst. Sein Tod, laut Vancouver Sun durch einen Herzinfarkt nach einem Arbeitstag als Hafenarbeiter, kam plötzlich. Er saß im Sessel, schaute eine ‘South Park’-DVD, und sein Herz blieb stehen. Er wurde 58 Jahre alt und führte ein Leben, das nie im Leerlauf lief.

Der Anfang: ein Schlagzeuger, der Bass lernte

Bevor Rampage zu dem wurde, den die Szene kannte, war er ein junger Schlagzeuger aus North Vancouver. Die Gründung von D.O.A. ist heute Legende, und sie beginnt mit einem Satz, den Gitarrist und Sänger Joe Keithley in seiner Laudatio festhielt: „Suche nach einem Schlagzeuger und Bassisten für Punk Rock-Band. Weicheier sollten sich nicht melden.“ Keithley erinnert sich daran, wie Randy Archibald – damals 17 – zum Vorspielen kam, ein Linkshänder, der die Hi‑Hats offen oder gekreuzt spielen konnte. Keithley sagte über diesen Moment: „Randy schaffte es auch noch cool zu wirken, während er sich bewarb. Nicht schlecht für einen 17-Jährigen.“

Als klar wurde, dass Chuck Biscuits der bessere Drummer war, blieb Randy trotzdem. Keithley hatte die Idee, ihn auf Bass umzustellen – ein Rhythmusgefühl hatte er ja. „Ich habe gewettet, dass ich ihm das Bassspielen beibringen kann,“ sagte Keithley in seiner Hommage. Und er behielt recht: Randy Rampage lernte schnell, und mit Chuck und Keithley entstand ein Trio, das die Vancouver‑Szene bald erschüttern sollte.

D.O.A.: Chaos und Geschwindigkeit

Die frühen Shows von D.O.A. waren rohe Energie. Rampage sprang über die Bühne wie ein junger Pete Townshend, spuckte drei Fuß hoch und fing den Tropfen wieder auf – ein Bild, das Keithley in seiner Laudatio festhielt und das zeigt, wie sehr Rampage das Publikum herausforderte. Die Band wurde schnell zu einer lokalen Sensation, und mit der EP DISCO SUCKS (1978) begann der Weg hinaus aus Vancouver.

Die Tourneen waren improvisiert, gefährlich, voller Geschichten, die Rampage später mit einer fast unheimlichen Detailtreue wiedergeben konnte. Keithley erzählte von einer Szene, die Rampage perfekt beschreibt: wie er auf einer Kawasaki ohne Helm mit 80 Meilen pro Stunde auf dem Sitz stand und rief: „Hey Joe, bring mir ein Bier!“

Der Preis der Geschwindigkeit

Mit HARDCORE ’81 (1981) wurden D.O.A. zu einer der prägenden Bands des Genres. Rampage und Chuck Biscuits bildeten eine Rhythmussektion, die Keithley als „eine der tödlichsten der Welt“ bezeichnete. Doch die Intensität hatte ihren Preis. Randy Rampage feierte hart, zu hart, und nach dem Silvester‑Gig am 31. Dezember 1981 wurde er schließlich aus der Band geworfen.

Er blieb jedoch nicht stehen. Er arbeitete für The Clash auf Tournee, spielte in The 45’s, Ground Zero, SF9 und vielen anderen Projekten. Und er wurde Frontmann von Annihilator, wo er laut Jeff Waters „der coolste Typ, den wir je in der Band hatten“ war – ein Zitat aus Waters’ Interview mit Metal Insider (2017). 

Rückkehr, Brüche, Wiederkehr

Rampage kehrte mehrfach zu D.O.A. zurück: 2001-2002 für WIN THE BATTLE(2002), 2006-2008 für NORTHERN AVENGER (2008), produziert von Bob Rock. Keithley schrieb in seiner Hommage an seinen Freund, dass Rampage ein „unglaubliches Gedächtnis“ hatte, und dass jeder, der mit ihm unterwegs war, von seinen Geschichten überwältigt war. Die beiden tourten erneut durch Japan, Australien, Europa und Nordamerika. Auch wenn sie sich nicht immer einig waren, blieb die Verbindung bestehen. Keithley formulierte es so: „Randy, du wirst für immer mein Freund sein. Selbst im Tod wird dein Geist immer hell leuchten.“

Der letzte Tag und das Vermächtnis

Am 14. August 2018 starb Randy Rampage in seinem Zuhause in Vancouver nach einem Arbeitstag im Hafen. Die Nachricht seines Todes verbreitete sich zuerst über die Facebook‑Seite der Dokumentation ‘Bloodied But Unbowed’, die ihn als Teil der Westküsten Punk-Historie zeigt. Dort stand: „Eine Punk-Legende ist von uns gegangen.“

Rampage war ein Musiker, der nie glattgebügelt wurde, nie angepasst, nie bequem. Er war ein Bassist, der eigentlich Schlagzeuger war, ein Sänger, der eigentlich Bassist war, ein Punk, der im Metal landete, ein Hafenarbeiter, der abends ‘South Park’ schaute. Ein Mann, der immer wieder rausflog und immer wieder zurückkam. Ein Leben, für das er brannte – manchmal zu hell, manchmal zu nah am Rand, aber immer echt. Heute, an seinem achten Todestag, ist vielleicht der richtige Moment, um sich daran zu erinnern, was Keithley über Randy Rampage sagte – ein Satz, der alles trägt: „Randy war einzigartig, wie eine Supernova, glühend rot und heiß.“


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Quelle: METAL HAMMER.de