Kritik zu Dymna Lotva VYRAJ

Das belarusische Quartett ist vor Jahren schon vom Lukaschenko-Regime ins Exil gezwungen worden, und auch die Fans in der alten Heimat sind in Gefahr, seit Dymna Lotva-Musik und -Videos zu „extremistischem Material“ erklärt wurden. Wie sich das anfühlt, wenn Kunst lebensgefährlich wird? Der Druck muss unfassbar sein, und die Dissidenten Dymna Lotva wüten dagegen an, mit bewunderungswürdiger Kraft und Kreativität. Ihr viertes Album VYRAJ spannt ihren bewährten Post Black-Rahmen weiter auf, spielt auch mit Elektronik, Folk, Goth und progressiver Psychedelik. Es arbeitet mit Motiven aus der ­slawischen Mythologie; den Zwischenreichen der Seelen, dem Jenseits bei den Sternen. Aber VYRAJ ist alles andere als elegisch. Der Track ‘Bu Samoje’ ist – bei allen ­Finessen – auch ein Song für die Barrikaden, und in ‘Viedmieragina’ rasen sämtliche Hexen der belarusischen Wälder. Sogar eine gewisse Pop-Sensibilität haben die fauchenden, keuchenden Tracks – eine süße kleine Melodie hier, ein außergewöhnlich ge­schmei­diges Arrangement dort, locker verteilt (siehe ‘Zory’, ‘Niama Darohi’). Aber, Kritikpunkt am Rande, den Gitarren fehlt es in der Produktion oft an Druck, und der Sound des Schlagwerks ist uneben. Manche Ideen verlaufen sich in zu langen Brücken (Beispiel: ‘Veha’), was sich wie Wassertreten anfühlt. Schon bei vorigen Dymna Lotva-Alben hatte ich das Gefühl, es bräuchte dringend Straffung – das ist auch bei dem sonst grundguten und erhabenen VYRAJ so.


Dymna Lotva gelingt es auf VYRAJ, Zermürbendes und Schönes zu vereinen. Zwischen Post Black- und Doom Metal schaffen sie Raum für (unkitschigen) Folk und (dezenten) Symphonic Metal. Sie klingen mal sakral, mal mordlüstern, immer bedeutungsvoll und eindringlich. Das ist in seiner Intensität nicht immer angenehm, aber kathartisch. Sebastian Kessler (5 Punkte)

Dymna Lotva sind in der schwarzen Szene für ihre rohen und emotionalen Lieder bekannt. Die belarusische Formation liefert aus ihrem Exil mit VYRAJ erneut ein tiefgründiges, mitreißendes Album. Zwar ist die Platte weniger im Black Metal angesiedelt als vorige Werke, dennoch hat sie alles, was man sich erhofft: mystische Melodien, aufwühlende Lyrics, greifbare Emotion und grenzenlosen Kampfgeist. Dymna Lotva machen klare Ansagen! Helen Lindenmann (6 Punkte)

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Quelle: METAL HAMMER.de