„Man kann durchaus ein Individuum sein.“
Seitdem sich Alissa White-Gluz Ende 2025 von Arch Enemy getrennt hat, scheint der Sängerin ein noch stärkeres Selbstbewusstsein innezuwohnen. Ihrer Meinung nach hat sie schon seit Jahren eine Zielscheibe auf dem Rücken, doch unterkriegen lässt sie sich davon nicht. Mit ihrer eigenen Band Blue Medusa und ihrem Engagement bei Dragonforce kann sich die 41-Jährige scheinbar endlich künstlerisch ausleben.
In einem Interview mit Viva!, einer britischen Organisation, die sich für den Veganismus einsetzt, sprach Alissa White-Gluz jüngst nicht über Musik, sondern politische Polarisierung. Sie thematisierte dabei auch, dass viele Menschen davor zurückschrecken, ihre Meinung öffentlich zu äußern, weil sie soziale Ausgrenzung fürchten, sollten sie unliebsame Ansichten vertreten. Sie selbst engagiert sich für Menschenrechte, Tierschutz und Umweltschutz und lebt seit vielen Jahren vegan.
(Keine) Angst vor Individualismus
„Allein schon als Frau in der Metal-Szene mache ich mich zur Zielscheibe. Und natürlich auch durch meine vegane Lebensweise und meine – wie auch immer man sie nennen mag – politischen Ansichten“, leitet die Musikerin ein. „Ich bin keine Amerikanerin – ich kann bei dieser Politik also nicht mitwählen. Ich stimme gewissen Punkten beider Seiten zu, neige jedoch eher zu progressiven und liberalen Werten. Und auch das macht mich zur Zielscheibe.“ Zweifelsohne sei es eine beängstigende Zeit, doch schließe sie nicht von der Meinung oder Einstellung auf die gesamte Persönlichkeit eines Menschen.
„Ich habe Freunde, die politisch rechts stehen. Ich habe Freunde, die sich rein fleischbasiert ernähren. Es gibt viele Menschen in meinem Leben, die ich liebe, und ein bestimmter Aspekt ihres Wesens ändert nichts daran, dass sie mir am Herzen liegen. Ich beurteile nicht ihre gesamte Persönlichkeit nach einem einzigen, winzigen Aspekt.“ Viele Menschen tun ihrer Meinung nach aber genau das.
„Die Leute sagen dann so etwas wie: ‚Ich hasse Veganer, und du bist Veganer, also hasse ich dich.‘ Oder: ‚Ich hasse Liberale, und du bist liberal, also hasse ich dich.‘ Und das ist schade, denn das Leben hat viel mehr zu bieten. Ich habe das Gefühl, dass den Menschen das gerade ein wenig abhandenkommt. Sie glauben, sie müssten bestimmte Leute hassen und sich einer ganz bestimmten Schublade zuordnen – aber das muss man gar nicht. Man kann durchaus ein Individuum sein und einfach man selbst. Doch ich glaube, die Menschen haben heutzutage große Angst davor.“
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Quelle: METAL HAMMER.de
















