Kritik zu Master Boot Record COMPUTER METAL

Was wäre, wenn ein alter DOS-Rechner selbst eine Metal-Band gründen würde? Mit dieser Prämisse sind Master Boot Record sozusagen die Anti­poden sich immer rasanter entwickelnder KI-Modelle. Master Boot Record
ist der Italiener Vittorio d’Amore alias Victor Love aus Rom, der früher im Computer-Laden seines Vaters und dann als Systemadministrator arbeitete. Geprägt wurde er durch die Cracktro-/Demoscene, jene Computer-Kultur, in der maximal nerdig kleine Intros und elektronische Musik rund um Software und Games entstanden sind. Digitalität ist seine DNS, zugleich verfügt er über einen Fuhrpark obsolet gewordener Technik. Frühere Master Boot Record-Releases waren rein digital, COMPUTER METAL aber hebt die Sache mit einer E-Gitarre über den Status von Spielerei und Gadget-Geflipper hinaus. COMPUTER METAL will ein Inhaltsverzeichnis des Metal sein: Genres wie Death, Thrash, Prog, Symphonic, Industrial und Hardcore bekommen alle einen Track ge­wid­-met, der ihre Merkmale in rasende Bit-Instrumentals übersetzt. Zugleich schreibt D’Amore den Tracks Erinnerungen an alte PC-Zeiten ein – das Schnarren eines Nadeldruckers, der Verweis auf den Klammergriff, Nerd-Begriffe wie Sockel 7, Turbo Button et cetera. Intellektuell macht das alles sehr viel Spaß, sinnlich ist es eher nicht. Trotzdem steht COMPUTER METAL auf dem Treppchen neben Igorrr und Panzer­ballett, und das will was heißen.

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Quelle: METAL HAMMER.de