Das Drama um DIARY OF A MADMAN (1981)

Als zweiten Stein im Fundament von Ozzy Osbournes Solokarriere verlegte der Prince Of Darkness 1981 DIARY OF A MADMAN. Erst ein Jahr zuvor hatte er mit BLIZZARD OF OZZ bewiesen, dass sein Aus bei Black Sabbath keineswegs das Ende bedeutete. Mit dem zweiten Album folgte jedoch die eigentliche Bewährungsprobe: Konnte die neue Besetzung den erfolgreichen Neustart bestätigen?

Rückblickend gilt DIARY OF A MADMAN als eines der wichtigsten Alben dieser frühen Solophase. Es war zugleich das letzte Studioalbum, das Ozzy Osbourne gemeinsam mit Gitarrist Randy Rhoads veröffentlichte.

Randy Rhoads’ tragischer Tod und Nachwehen

Heute wird DIARY OF A MADMAN oft vor allem mit Randy Rhoads verbunden. Der Gitarrist spielte auf dem Album seine letzten Studioaufnahmen ein, bevor er am 19. März 1982 während der anschließenden Tournee bei einem Flugzeugabsturz in Florida ums Leben kam.

Die Verbindung zwischen Osbourne und Rhoads hatte bereits auf BLIZZARD OF OZZ für Aufmerksamkeit gesorgt. Auf DIARY OF A MADMAN erreichte die Zusammenarbeit ihre Fortsetzung, doch hinter den Kulissen war die Lage längst nicht mehr so harmonisch, wie die Musik vermuten ließ. Während Randy Rhoads gemeinsam mit Bob Daisley und Lee Kerslake an neuen Songs arbeitete, wuchs der Unmut über fehlende Anerkennung und finanzielle Fragen. Kerslake erinnerte sich später daran, dass unter anderem die frühen Fassungen von ‘Flying High Again’ und ‘Over The Mountain’ aus der Zusammenarbeit der Musiker entstanden seien. Kurz nach den Aufnahmen wurden Daisley und Kerslake jedoch aus der Band entlassen, was später sogar in rechtliche Auseinandersetzungen mündete.

Zusätzlich sorgte die Besetzung des Albums über Jahre hinweg für Diskussionen. Tatsächlich stammten die ursprünglichen Bass- und Schlagzeugspuren von Bob Daisley und Lee Kerslake. Dennoch wurden auf dem Cover und in den Begleitmaterialien Rudy Sarzo und Tommy Aldridge als ausführende Musiker aufgeführt. Aldridge stellte Jahre später im Gespräch mit Blabbermouth klar: „Ich denke, es ist ziemlich offensichtlich, dass das nicht mein Schlagzeugspiel auf diesem Album ist. Ich habe dafür nie die Lorbeeren eingeheimst und Lee Kerslake immer die Anerkennung gegeben, die er verdient.“

Im Schatten wachsender Konflikte

Die Spannungen innerhalb der Band spiegelten sich auch in den Diskussionen um die Entstehung des Materials wider. Bob Daisley schrieb einen Großteil der Texte und war zudem an der Musik beteiligt. Lee Kerslake sah sich ebenfalls als wichtiger Teil des kreativen Prozesses und erinnerte sich in einem Interview 2009 daran: „‘Flying High Again’ war eine meiner Ideen, ‘Over The Mountain’ eine weitere. Die grundlegenden Demoaufnahmen bestanden aus Bobs Texten, meinem Gesang und Randys Spiel.“

Kerslake erklärte außerdem, viele der Lieder gemeinsam mit Randy Rhoads am Klavier entwickelt zu haben. Die Frage, wem welcher Anteil an den Stücken zustand, blieb jedoch ein Streitpunkt. Dass Daisley und Kerslake später weder die Anerkennung noch die Vergütung erhielten, die sie für ihre Beiträge erwarteten, führte schließlich zu langjährigen Konflikten und juristischen Auseinandersetzungen. Zusätzlich verschärfte sich die Situation, als die beiden Musiker während der Aufnahmen finanzielle Probleme gegenüber dem Management ansprachen. Kurz darauf wurden sie aus der Band entlassen.

Zwischen Klassikern und kleinen Makeln

Ungeachtet der Turbulenzen brachte DIARY OF A MADMAN mehrere Stücke hervor, die bis heute zu den bekanntesten Veröffentlichungen aus Osbournes früher Solokarriere zählen. Besonders ‘Over The Mountain’ und ‘Flying High Again’ entwickelten sich zu zentralen Stücken des Albums. Hinzu kamen Titel wie ‘Believer’, ‘Little Dolls’, ‘Tonight’, ‘S.A.T.O.’ und das abschließende Titelstück.

Eine der bemerkenswertesten Geschichten hinter den Aufnahmen betrifft ‘S.A.T.O.’. Osbourne gab später zu, bei einigen Gesangsspuren nicht die nötige Geduld aufgebracht zu haben. Weil er möglichst schnell das Studio verlassen wollte, sang er Teile des Songs leicht hinter dem eigentlichen Riff ein – also zu spät. In seiner Biografie ‘Last Rites’ (2025) schrieb er: „Jedes Mal, wenn ich den Song höre, verziehe ich das Gesicht.“ Die Erfahrung sei für ihn eine Lehre gewesen. Nach eigenen Aussagen achtete er später deutlich stärker darauf, Gesangsaufnahmen erst dann abzuschließen, wenn er wirklich zufrieden mit ihnen war.

Vom umstrittenen Nachfolger zum anerkannten Klassiker

Die Reaktionen auf DIARY OF A MADMAN fielen bei seiner Veröffentlichung keineswegs einhellig positiv aus. Während das Album heute meist als Höhepunkt der frühen Ozzy-Solojahre gilt, begegneten ihm manche Kritiker 1981 mit Skepsis. So schrieb der US-amerikanische Rolling Stone damals, die Stücke bestünden im Wesentlichen aus Riffs, über die nachträglich Gesang gelegt worden sei, und bezeichnete Randy Rhoads als technisch starken Gitarristen, dem es noch an Fantasie fehle.

Jedoch muss man beschwichtigend festhalten, dass derselbe Rolling Stone, das sich 1981 noch kritisch geäußert hatte, das Album 2017 auf Platz 15 seiner Liste der ‘100 Greatest Metal Albums Of All Time’ anführte.

Die umstrittene Neuauflage von 2002

Auch Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung blieb DIARY OF A MADMAN Gegenstand von Diskussionen. Für erheblichen Ärger unter Fans sorgte die Neuauflage von 2002. Dabei wurden die ursprünglichen Bass- und Schlagzeugspuren von Bob Daisley und Lee Kerslake entfernt und durch neue Einspielungen von Robert Trujillo und Mike Bordin ersetzt.

Die Maßnahme wurde vielfach mit den laufenden Rechtsstreitigkeiten zwischen den Musikern und dem Osbourne-Lager in Verbindung gebracht. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Angelegenheit später dadurch, dass Sharon und Ozzy Osbourne unterschiedliche Darstellungen darüber abgaben, wer die Entscheidung letztlich getroffen hatte. Erst die Deluxe 30th Anniversary Edition aus dem Jahr 2011 stellte die ursprünglichen Aufnahmen wieder her. Gleichzeitig wurde das Album um Bonusmaterial und bislang unveröffentlichte Live-Aufnahmen aus der Randy Rhoads-Ära erweitert.

Mehr als nur ein Nachfolger

Mit weltweit über drei Millionen verkauften Exemplaren gehört DIARY OF A MADMAN zu den erfolgreichsten Alben in Ozzy Osbournes Solokatalog. Darüber hinaus markiert es einen entscheidenden Abschnitt seiner frühen Solojahre nach dem Ausstieg bei Black Sabbath. Gleichzeitig wurde das Album zum letzten Studiozeugnis der Zusammenarbeit mit Randy Rhoads. Sein Tod wenige Monate nach der Veröffentlichung veränderte nicht nur die weitere Entwicklung von Osbournes Band, sondern prägte auch die spätere Wahrnehmung des Albums nachhaltig.

Auch 45 Jahre nach seiner Veröffentlichung bleibt DIARY OF A MADMAN eng mit dieser besonderen Phase von Ozzy Osbournes Karriere verbunden. Zwischen musikalischem Neuanfang, internen Konflikten und dem Verlust eines außergewöhnlichen Gitarristen entstand ein Album, das bis heute regelmäßig genannt wird, wenn es um die wichtigsten Veröffentlichungen seiner frühen Sololaufbahn geht.

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Quelle: METAL HAMMER.de