Kritik zu Ignea MONUMENTAL
Man kann ohne Weiteres behaupten, dass Ignea einen sehr eigenen, exzentrischen Sound fahren. Da trifft melodischer Wohlfühl-Metal auf Blastbeats und Growls, während sich im Hintergrund gerne ein industrielles Sample austobt (Andy LaPlegua von Combichrist ist nicht umsonst einmal zu Gast). Das ukrainische Quartett denkt dabei offensichtlich wenig in Genre-Grenzen – was MONUMENTAL einerseits faszinierend unberechenbar, andererseits aber auch mitunter anstrengend macht. Inhaltlich beschäftigt sich das Album in seinen neun Stücken intensiv mit Nostalgie, Erinnerung und nicht verwirklichten Zukunftsvisionen. Retrofuturismus, modernistische Monumentalarchitektur, urbaner Verfall und die Raumfahrtutopien des Kalten Kriegs. Letzteres besitzt für die Musiker leider eine bedrückende Aktualität: Wie schon der Vorgänger DREAMS OF LANDS UNSEEN (2023) entstand auch MONUMENTAL während des Kriegs in der Ukraine. Aufgenommen wurde größtenteils im Winter 2025/26 in Kiew, bei eisigen Temperaturen und langen Stromausfällen. Musikalisch sind die teilweise abrupten Wechsel leider nicht immer leicht verdaulich. Mir gefallen Ignea deutlich besser, wenn Sängerin Helle Bohdanova die melodische Seite ausspielen darf und ihre Stimme über die bisweilen geradezu traumhaften Passagen legt. Dann entwickelt MONUMENTAL eine eigenartige, melancholische Schönheit. Doch selbst hier schieben sich gelegentlich derart klebrige Keyboard-Flächen ins Bild, dass die Atmosphäre ins Kitschige zu kippen droht. Bei den härteren Ausbrüchen mit Growls, Blastbeats und Industrial-Elektronik geht dagegen manches von dieser Faszination verloren. Dass Ignea ihren ganz eigenen Kopf haben, steht außer Frage. MONUMENTAL ist ein ambitioniertes, eigenwilliges Album, das sich bewusst einfachen Lösungen verweigert. Diese wären aber langfristig vielleicht ein Gewinn.
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Quelle: METAL HAMMER.de

















