Kritik zu OZZY & BLACK SABBATH: BACK TO THE BEGINNING

Es gibt Musiker, die ein Genre prägen. Und es gibt Ozzy Osbourne. Der Übervater des Heavy Metal hat über fünf Jahrzehnte hinweg Generationen unterschiedlichster Musiker und Charaktere inspiriert. Wie groß sein Einfluss tatsächlich war, zeigt der Konzertfilm ‘Back To The Beginning’, der den historischen Abschiedsabend am 5. Juli 2025 im Villa Park seiner Heimatstadt Birmingham dokumentiert. Was sich dort abspielte, ist weit mehr als ein Konzert: Eine kollektive Verneigung vor einem Mann, ohne den die Geschichte harter Musik anders verlaufen wäre. Metallica (‘Hole In The Sky’), Slayer (‘Wicked World’), Pantera (‘Electric Funeral’), Anthrax (‘Into The Void’), Gojira (‘Under The Sun’), Tool (‘Hand Of Doom’), Guns N’ Roses (‘Never Say Die’) oder Alice In Chains (‘Fairies Wear Boots’) erweisen ihrem großen Idol die Ehre. Dazu gesellen sich unter anderem Mastodon, Lamb Of God und Halestorm sowie zahlreiche Gastmusiker, darunter Steven Tyler, Billy Corgan, Sammy Hagar, Ronnie Wood und Yungblud, der mit ‘Changes’ einen besonders bewegenden Moment schafft.

Eine entscheidende Rolle kommt Rage Against The Machine-Gitarrist Tom Morello zu, der als musikalischer Leiter des Abschiedskonzerts die zahlreichen Künstler und ihre Auftritte koordinierte und damit maßgeblich zu diesem historischen Gipfeltreffen der Metal-Szene beitrug. Ozzy selbst ist sichtbar von seiner Krankheit gezeichnet. Der einstige Bühnenderwisch sitzt auf seinem Thron, lässt sich von der Musik mitreißen und wirkt immer wieder, als würde er am liebsten aufspringen und noch einmal loslegen wie früher. Wenn dazu Bilder aus seinen wilden Jugendjahren eingeblendet werden, macht sich unweigerlich Wehmut breit. Und Dankbarkeit. Tiefe Dankbarkeit für all die gemeinsamen Jahre unter Kopfhörern und vor Konzertbühnen.

Bei seinem letzten Soloauftritt wird Ozzy von Zakk Wylde an der Gitarre begleitet, seinem langjährigen Weggefährten. Wylde bleibt stets ganz nah an seiner Seite, während Ozzy mit ‘I Don’t Know’, ‘Mr. Crowley’, ‘Suicide Solution’, ‘Mama, I’m Coming Home’ und ‘Crazy Train’ fünf Klassiker seiner Solokarriere zum Besten gibt. Dass der Zusammenschnitt die chronologische Abfolge des Abends weitgehend auflöst und dadurch gelegentlich etwas zerrissen wirkt, ist angesichts der emotionalen Wucht beinahe nebensächlich. Die durchweg in Schwarz-Weiß gehaltenen Backstage-Passagen, in denen zahlreiche Größen der Rock- und Metal-Szene Ozzy und Black Sabbath ihre Verehrung aussprechen, verleihen dem Film eine zusätzliche persönliche Dimension.

Und dann steht tatsächlich noch einmal die Originalbesetzung von Black Sabbath auf der Bühne: Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward. Mit ‘War Pigs’, ‘N.I.B.’, ‘Iron Man’ und ‘Paranoid’ vereinen sie die Metal-Welt ein letztes Mal. Als zum Abschluss ‘Mama, I’m Coming Home’ erklingt, dürften nicht nur den Besuchern im Villa Park die Tränen über die Wangen laufen. Ein großes, emotional aufwühlendes Musikereignis. Danke, Black Sabbath. Danke, John Michael Osbourne.



Quelle: METAL HAMMER.de