Dieses Album brachte sie zurück zur blanken Verwüstung

Als Gwar am 6. November 2001 ihr achtes Studioalbum VIOLENCE HAS ARRIVED veröffentlichten, befand sich die Band in einer Phase des Umbruchs. Die Jahre zuvor hatten nicht nur personelle Veränderungen mit sich gebracht, auch das Vorgängeralbum WE KILL EVERYTHING (1999) war innerhalb des eigenen Lagers offenbar umstritten. Mit VIOLENCE HAS ARRIVED entschieden sich die selbsternannten intergalaktischen Berserker deshalb für einen deutlich anderen Kurs.

Der Weg zurück zum Metal

Nach Angaben der Band wurde VIOLENCE HAS ARRIVED schon bei seinem Erscheinen als eine Art Rückkehr zu den metallischeren Wurzeln von Gwar verstanden. Auf der offiziellen Website blickten die Musiker fünf Jahre später auf die Veröffentlichung zurück und erklärten:

„Alle waren begeistert, als Gwar 2001 VIOLENCE HAS ARRIVED veröffentlichten. Es markierte die triumphale Rückkehr der Band zum Metal, und die Welt atmete kollektiv auf, dass wir nicht noch einmal ein WE KILL EVERYTHING gemacht hatten.“

Passend dazu wird das Album häufig als die Thrash-lastigste Gwar-Veröffentlichung der damaligen Zeit beschrieben. Gleichzeitig rückte Frontmann Dave Brockie alias Oderus Urungus wieder stärker in den Mittelpunkt des Geschehens und prägte das Album als dominante Stimme.

Folter, Verfall und allgemeines Gemetzel

Wer bei Gwar nach musikalischer Zurückhaltung sucht, ist ohnehin an der falschen Adresse. Auf VIOLENCE HAS ARRIVED spielte die Band ihre bekannten Vorlieben für groteske Bilder und überzogene Gewaltfantasien einmal mehr konsequent aus.

Stücke wie ‘Licksore’, ‘Beauteous Rot’, ‘Immortal Corrupter’ oder ‘The Apes Of Wrath’ griffen laut den Begleitinformationen des Albums besonders düstere und abstoßende Motive auf. Hinzu kamen mittelalterlich anmutende Themen wie Folter, die etwa in ‘The Wheel’ behandelt werden.

Trotz zahlreicher Verweise auf die umfangreiche Gwar-Mythologie verzichtete die Band diesmal auf einen durchgehenden Handlungsstrang. Statt einer zusammenhängenden Geschichte dominierte ein loses Szenario aus Verwüstung, Blutvergießen und apokalyptischen Bildern. Für eine Gruppe, die seit den Achtzigern davon lebt, stumpfe Ideen konsequent bis zur völligen Absurdität zu übersteigern, war das durchaus eine nachvollziehbare Entscheidung.

Die Geburtsstunde eines Bühnenklassikers

Eines der bekanntesten Überbleibsel des Albums ist ‘Biledriver’. Der Song dreht sich um eine Kanone, die Körperflüssigkeiten verschießt. Was auf dem Papier bereits nach einer typischen Gwar-Idee klingt, wanderte später direkt auf die Bühne. Die sogenannte Biledriver-Kanone wurde zu einem festen Bestandteil der Liveshows und tauchte zudem im Video zu ‘Immortal Corrupter’ auf, dem einzigen Musikvideo des Albums.

Das vollständige Musikvideo zu ‘Immortal Corrupter’ seht ihr hier:

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Ein Album der Abschiede

So sehr VIOLENCE HAS ARRIVED als Rückkehr wahrgenommen wurde, markierte es gleichzeitig auch das Ende mehrerer Kapitel.

Es war das einzige Gwar-Album mit Gitarrist Zach Blair. Gleichzeitig handelte es sich vor dessen längerer Auszeit um das letzte Studioalbum mit Casey Orr als Beefcake the Mighty. Auch auf Label-Seite endete eine Ära: VIOLENCE HAS ARRIVED war vorerst die letzte Veröffentlichung der Band bei Metal Blade Records. Erst 2009 kehrten Gwar für LUST IN SPACE zu dem Label zurück.

Gewaltsame Grundlage

Gwar werden häufig zuerst über ihre Kostüme, Kunstblutfontänen und ihren berüchtigten Bühnenwahnsinn wahrgenommen. VIOLENCE HAS ARRIVED erinnert jedoch daran, dass die Band zu Beginn der Zweitausender ebenso darum bemüht war, ihre musikalische Ausrichtung neu zu schärfen. Das Album markierte einen bewussten Schritt zurück zu härteren Klängen und leitete eine Phase ein, die von vielen Anhängern als Korrektur des eingeschlagenen Kurses verstanden wurde.

Genau deshalb besitzt VIOLENCE HAS ARRIVED auch 25 Jahre später einen besonderen Platz in der Diskografie der Band. Zwischen personellen Veränderungen, Labelwechseln und internen Neuausrichtungen entstand eine Platte, die für Gwar selbst offenbar mehr war als nur das nächste Kapitel ihrer bizarren Mythologie. Sie wurde zum Wendepunkt, an dem die Band ihren Fokus neu definierte und damit die Grundlage für die folgenden Jahre legte.

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Quelle: METAL HAMMER.de