Kritik zu Insomnium NETHERWORLDS

Insomnium sind einer dieser raren Fälle, auf die sich fast alle einigen können. Weil sie schon immer ein Händchen dafür hatten, grollende Härte mit erhabenen Melodien und finnische Dunkelheit mit jenseitiger Schönheit zu verbinden. Außerdem sind die netten Herren aus Suomi über die vergangenen Jahre nicht nur zu einer echten Live-Macht, sondern auch zu beeindruckenden Songwritern aufgestiegen, deren Klasse ohne jede Übertreibung mittlerweile an die von Amorphis heranreicht. Da, wir haben es gesagt. NETHERWORLDS unterstreicht diese These in zehn beeindruckenden Muskelspielen und exakt 54 Minuten.

Allein ‘Shadowlife’, der Opener nach dem ahnungsvollen Intro ‘The Cold Song’, hat einen dieser Refrains, die man sofort wiederhören möchte. Ergreifend, episch, unverkennbar finnisch, eben. Und da wir gerade bei Amorphis waren: Das achtminütige, cinematische Monument ‘The Hour Grows Late’ wird von den drei Amorphis-Mitgliedern Tomi ­Joutsen, Tomi Koivusaari und Santeri Kallio veredelt. ­Konkurrenzbeobachtung? Durchaus möglich, denn mit NETHERWORLDS präsentieren sich Insomnium bald 30 Jahre nach ihrer Gründung als würdige Headliner von Morgen. Weil sie ihre doomig-dunklen Wurzeln, ihren Melodic Death-Biss und ihre hoffnungslos nordische Melancholie nie aus den Augen verlieren, aber auf diesem Fundament mittlerweile Hymnen am Fließband schreiben.

Meine Güte, wie die Gitarren in ‘Gleam In The Black’ fabulieren, wie die Orgeln (!) in ‘Arch Of The Sky’ röhren, wie das magische ‘Pathways In The Sky’ wie das musikalische Gegenstück zu einem winterlichen Fantasy-Roman wirkt, wie ‘Ethereal Sleep’ mit langsamer Wucht und grandiosem Gesang ihren Klassiker ‘One For Sorrow’ fortschreibt (ist da eine Kantele zu hören?), oder wie der absolut atemberaubend inszenierte Abschluss ‘Journey’s End’ mit Tosen, Grollen und Pathos herüberführt auf die andere Seite … Es ist, als wären Insomnium in ihre eigene Totenwelt herabgestiegen, um gestärkt und entschlossener denn je daraus zurückzukehren – und das nach starken Alben wie ANNO 1696 oder HEART LIKE A GRAVE. Kann diese Band eigentlich noch besser werden?

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Quelle: METAL HAMMER.de